{"id":865,"date":"2010-08-05T16:35:45","date_gmt":"2010-08-05T14:35:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=865"},"modified":"2010-08-05T17:11:27","modified_gmt":"2010-08-05T15:11:27","slug":"provinz-provinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=865","title":{"rendered":"Provinz Provinz"},"content":{"rendered":"<p>Ich mag Twitter. Man k\u00f6nnte sogar fast sagen: Ich liebe es. Jeden Tag sp\u00fclt es mir Texte und Infos in den Browser, die ich sonst sicherlich verpassen w\u00fcrde. Was meist egal und meiner Arbeit zutr\u00e4glich, aber dennoch sehr schade w\u00e4re. Doch als ich gerade von einem Termin zur\u00fcckkam und gleich \u00fcberpr\u00fcfte, was w\u00e4hrend meiner Abwesenheit bei Twitter passiert war, hinterlie\u00df mich das ratlos: <a href=\"http:\/\/kress.de\/tweet\/tagesdienst\/detail\/beitrag\/105584-twitter-virus-blumenkuebel-fuer-die-welt.html\" target=\"_blank\">Blumenk\u00fcbel<\/a>? I don&#8217;t get it.<\/p>\n<p>Es ist noch nicht allzulange her, da arbeitete ich f\u00fcr eine Regionalzeitung am Rande der Welt, den wir Niedersachsen nennen. Jeden Tag erreichten einen da die spektakul\u00e4rsten Polizeimeldungen: abgetretene Au\u00dfenspiegel, vergessene Schulrucks\u00e4cke, und ja, auch umgefallene Blumenk\u00fcbel. Ein Blick ins Archiv hat mir eben noch mal bewiesen: Das ist da st\u00e4ndig ein Thema. Im Sommerloch nat\u00fcrlich auch mit Bild.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.muensterschezeitung.de\/lokales\/neuenkirchen\/Grosser-Blumenkuebel-zerstoert;art997,988637\" target=\"_blank\">Neuenkirchen<\/a>, wo die zerst\u00f6rten zwei Blumenk\u00fcbel gefunden wurden, hat 14.000 Einwohner. In NRW sind gerade Ferien, da ist es vielleicht derzeit sogar nur die H\u00e4lfte, doch die Seite muss trotzdem bef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Noch Anfang dieses Jahres habe ich selbst jeden Tag eine Seite f\u00fcr zwei Gemeinden mit etwa 15.000 Menschen zuschreiben m\u00fcssen. Mit Texten \u00fcber einen Bauern, der f\u00fcr seine Kinder einen zwei Meter hohen Schneeh\u00fcgel aufgesch\u00fcttet hat. Mit einem entlaufenen Pferd. Mit den freundlichen Frauen, die den M\u00e4nnern von der Freiwilligen Feuerwehr beim Einsatz Kaffee kochen. Mit dem hilflosen Versuch einer Initiative, in ihrer Winzortschaft wieder eine Postfiliale zu errichten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war das f\u00fcr mich pers\u00f6nlich nur beschr\u00e4nkt spannend. Aber die Menschen abonnieren sich nun mal ihre Lokalzeitung, um genau das zu lesen. F\u00fcr uns Medien-Gro\u00dfst\u00e4tter ist das alles v\u00f6llig absurd, weil es uns v\u00f6llig egal ist, ob Blumenk\u00fcbel zertreten werden oder M\u00fclltonnen brennen. F\u00fcr Leser einer Lokalzeitung (in anderen Worten: Rentner auf dem Land) ist das nunmal anders. Ist es deswegen lustig?<\/p>\n<p>Ich glaube, Lokalzeitungen haben ein Problem. Weil ihnen die Distanz fehlt zu vielen Dingen, \u00fcber die sie berichten, und damit der Abstand, um kritisch zu sein und ihren journalistischen Job zu machen.<\/p>\n<p>Artikel \u00fcber Blumenk\u00fcbel sind da wirklich das kleinste \u00dcbel.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<p>Nachtrag:<\/p>\n<p>Dank <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/netz\/netzkultur\/artikel\/1\/blumenkuebel-wird-twitter-star\/\" target=\"_blank\">taz.de<\/a> wei\u00df ich jetzt, dass es sich bei der Autorin um eine Praktikantin handelt. Da macht man sich ja \u00fcber die Richtige lustig. Not.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mag Twitter. Man k\u00f6nnte sogar fast sagen: Ich liebe es. Jeden Tag sp\u00fclt es mir Texte und Infos in den Browser, die ich sonst sicherlich verpassen w\u00fcrde. Was meist egal und meiner Arbeit zutr\u00e4glich, aber dennoch sehr schade w\u00e4re. 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