{"id":835,"date":"2010-07-23T16:52:32","date_gmt":"2010-07-23T14:52:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=835"},"modified":"2010-07-23T16:54:21","modified_gmt":"2010-07-23T14:54:21","slug":"fahren-sie-weiter-es-gibt-nichts-zu-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=835","title":{"rendered":"Reiseland Parallelwelt"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend war ich mal in Kreuzberg. Das ist erw\u00e4hnenswert, weil ich da sonst nie bin. Der Berliner bleibt ja in seinem Kiez, wie ich nicht m\u00fcde werde Menschen zu erkl\u00e4ren, die nicht hier wohnen und immer fragen, ob die Stadt nicht viel zu gro\u00df und un\u00fcbersichtlich w\u00e4re. Doch, ist sie. Aber man bewohnt sie ja nicht komplett. Niemand zwingt mich schlie\u00dflich, zum B\u00e4cker nach Spandau und zum Rossmann nach Steglitz zu fahren, oder eben zum Biertrinken nach Kreuzberg. Wenn man m\u00f6chte, kann man das aber machen, das ist ja das Sch\u00f6ne an Berlin.<\/p>\n<p>Kreuzberg also, am Spreeufer, wer es genau wissen m\u00f6chte. Wo fr\u00fcher mal Menschen wohnten, die sich vor der Bundeswehr nach Westberlin gefl\u00fcchtet hatten, um dort H\u00e4user zu besetzten, in denen sie Ratten oder Hanf oder beides z\u00fcchten und Wettbewerbe im Kronkorkenweitschie\u00dfen veranstalten konnten. Und heute kein Mensch mehr Deutsch spricht. Sondern Spanisch. Englisch. Franz\u00f6sisch. Italienisch. Holl\u00e4ndisch. Man h\u00e4tte den Autoren des Easyjet-Magazins niemals erlauben d\u00fcrfen, sich auf der Suche nach Insider-Tipps frei in der Stadt zu bewegen.<\/p>\n<p>Man soll mich nicht falsch verstehen &#8211; ich habe nichts gegen Touristen. Solange sie zwischen Mitte und Kudamm hin- und herfahren und nicht zu langsam reagieren, wenn man sie vom Fahrradweg wegzuklingeln versucht. Aber ein Abend in einer einst netten Bar am Ufer verliert doch sehr seinen Charme, wenn am Nebentisch acht betrunkene Holl\u00e4nderinnen sich den gesamten Abend im Wechsel mit ihrem Essen, ihren Getr\u00e4nken und vor allem starkem Blitzlicht fotografieren. W\u00e4hrend betrunkene Finnen sich gegenseitig in den Fluss werfen. Und quasi unbekleidete Spanier sich in unschuldige Blumenk\u00fcbel \u00fcbergeben. Von Besuchern aus Schwaben, die sich ausf\u00fchrlich \u00fcber das F\u00fcr und Wider einer Versetzung in die Zweigstelle Memmingen austauschen, ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck wusste meine Leidensgenossin f\u00fcr diesen Abend, die verehrte Miss Monkeypenny, Abhilfe: Man m\u00fcsste nur eine Parallelstadt bauen, in der die Touristen sich austoben k\u00f6nnen, und allen w\u00e4re geholfen. Ein paar heruntergekommene Fabrikhallen, ein bisschen Spree, f\u00fcnf schnoddrige Berliner und drei Nazis, fertig ist das Urlaubsparadies f\u00fcr den Easyjetset. Gibt es auch schon, sogar mit direkter Anbindung an den Flughafen Sch\u00f6nefeld &#8211; das wird ein sch\u00f6ner Aufschwung Ost in Obersch\u00f6neweide.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend war ich mal in Kreuzberg. Das ist erw\u00e4hnenswert, weil ich da sonst nie bin. Der Berliner bleibt ja in seinem Kiez, wie ich nicht m\u00fcde werde Menschen zu erkl\u00e4ren, die nicht hier wohnen und immer fragen, ob die Stadt nicht viel zu gro\u00df und un\u00fcbersichtlich w\u00e4re. Doch, ist sie. 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