{"id":798,"date":"2010-07-20T10:14:46","date_gmt":"2010-07-20T08:14:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=798"},"modified":"2010-07-20T18:06:08","modified_gmt":"2010-07-20T16:06:08","slug":"butterfahrt-fur-fortgeschrittene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=798","title":{"rendered":"Butterfahrt f\u00fcr Fortgeschrittene"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, die man als Berliner zu tun lieber Touristen \u00fcberl\u00e4sst: Mit dem 100er-Bus fahren. Das Kanzleramt Waschmaschine nennen. Unter den Linden Kaffee trinken (und ja, Peter Hahne, damit bist auch Du gemeint). Oder auf den Plastikst\u00fchlen an Deck eines Schiffes namens Spree-Lady Platz zu nehmen und \u00fcber die Spree zu schippern.<\/p>\n<p>Nun hatte ich aber am vergangenen Wochenende Besuch. Der hat sich letzteres gew\u00fcnscht. Und weil ich ein freundlicher Gastgeber bin und die Idee irgendwie am\u00fcsant fand, habe ich eingewilligt. Zum Gl\u00fcck. Denn auf dieser Flussfahrt mit trinkfesten Italienern (&#8222;Eins Becks&#8220;) und anstrengenden Neu-Berlinern mit Familienanhang (&#8222;Da vorne treffen wir uns immer zum Ersti-Stammtisch&#8220;) habe ich viele Dinge \u00fcber die Stadt erfahren, die mir kein Mitarbeiter der Berlin Tourismus Marketing GmbH besser h\u00e4tte vermitteln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beginnen wir harmlos mit den Br\u00fccken. Wenn man, wie wir es taten, von der Oberbaumbr\u00fccke zur Hansabr\u00fccke f\u00e4hrt, unterquert man ziemlich viele von denen, die alle als &#8222;eine der sch\u00f6nsten Br\u00fccken Berlins&#8220; angek\u00fcndigt wurden. Ob Beton, Stahl, alt, gesprengt, neuaufgebaut &#8211; &#8222;diese Br\u00fccke ist eine der sch\u00f6nsten&#8220;. Na klar.<\/p>\n<p>Unangenehmer wird es, wenn man die durchaus eben nicht unumstrittene o2-World passiert und lernt, dass diese Veranstaltungshalle eine gro\u00dfe Bereicherung sei, die sich l\u00e4ngst und sehr gut in der Stadt etabliert habe. Oder man erf\u00e4hrt, was f\u00fcr ein feines und modernes Kraftwerk das f\u00fcr seine Innovationen bekannte freundliche Unternehmen Vattenfall an die Spree gebaut hat.<\/p>\n<p>Ebenfalls bemerkenswert war die gro\u00dfe Lobeshymne auf den Unternehmer August Borsig, der einst an der Spree die Zulieferbetriebe f\u00fcr seine Lokomotivproduktion ansiedelte. &#8222;Soweit das damals m\u00f6glich war, war Borsig sehr sozial&#8220; lautete die Interpretation des Tourif\u00fchrers, der als Beweis f\u00fcr diese Theorie die Tatsache anf\u00fchrte, dass Borsigs Mitarbeiter sonntags frei hatten. Ein Zugest\u00e4ndnis, mit dem sie vermutlich von dummen Ideen wie proletarischen Revolutionen fern gehalten werden sollten, nehme ich an.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Favorit in Sachen Regions-Propaganda waren jedoch die Kommentare zum Stadtschloss, das &#8222;zum Gl\u00fcck&#8220; wieder aufgebaut werden soll, nachdem es &#8222;leider aus falschem Geschichtsverst\u00e4ndnis gesprengt worden war&#8220;. Ganz Recht, diese Bootsfahrt wurde Ihnen nicht nur pr\u00e4sentiert von Vattenfall, o2 und Borsig, sondern auch einem Haufen reaktion\u00e4rer Politiker, die wir Regierungskoalition nennen. Und denen ich nicht verzeihe, dass sie sich zwar guerillam\u00e4\u00dfig in Stadtf\u00fchrungen einkaufen, aber nicht darauf achten, dass sich dieses Sponsoring auch in den Ticketpreisen niederschl\u00e4gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, die man als Berliner zu tun lieber Touristen \u00fcberl\u00e4sst: Mit dem 100er-Bus fahren. 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