{"id":669,"date":"2010-06-28T12:18:14","date_gmt":"2010-06-28T10:18:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=669"},"modified":"2010-06-28T12:28:38","modified_gmt":"2010-06-28T10:28:38","slug":"never-change-the-winning-neighborhood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=669","title":{"rendered":"Never change the winning neighborhood"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen musste ich <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/berlin\/artikel\/1\/frueher-clubber-heute-klaeger\/\" target=\"_blank\">beruflich<\/a> ins <a href=\"http:\/\/www.knaack-berlin.de\/\" target=\"_blank\">Knaack<\/a>, und zwar zur Mittagszeit. Wie es sich f\u00fcr einen ordentlichen Club geh\u00f6rt, war es drinnen stockdunkel, doch man hatte zwei Scheinwerfer auf das Podium gerichtet, wo ein paar zerknirschte Berliner Clubmenschen sa\u00dfen und der Presse mitteilten, dass das Knaack nun vermutlich umziehen m\u00fcsse, weil ein paar Anwohnern die Musik zu laut sei.<\/p>\n<p>An sich keine ungew\u00f6hnliche Geschichte, wenn nicht das Knaack 58 Jahre, die empfindlichen Nachbarn dagegen erst zwei Jahren alt w\u00e4ren. Neu zugezogen. In Eigentumswohnungen. In Szenen\u00e4he. Aber nat\u00fcrlich beschaulich und ruhig. Es ist wohl klar, wo dieser Text heute noch hinwill.<\/p>\n<p>Als Zugezogener sollte man sich bei diesem Thema ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, und schon mal gar nicht, wenn die darunter liegende Stra\u00dfe im Prenzlauer Berg liegt. Dennoch finde ich es auf eine morbide Art faszinierend, dass es offenbar Menschen gibt, die Wand an Wand mit einem Club ziehen, sich dann wundern, wenn es laut ist, und es dann auch noch schaffen, vor Gericht durchzusetzen, dass nicht sie es sind, die wieder gehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das ist, als w\u00fcrde ich das Knoblauchrestaurant unten im Haus verklagen, weil es im Hausflur so riecht. Was eigentlich keine schlechte Idee w\u00e4re. Wenn mir nur eine gute Ausrede einfiele, wenn vor Gericht die Frage aufkommt, ob ich das Restaurant bei Einzug denn nicht bemerkt h\u00e4tte?<\/p>\n<p>a) Nein, ich bin blind, taub, und zum Zeitpunkt das Einzugs war ich auch noch kolossal erk\u00e4ltet.<\/p>\n<p>b) Zur Anonymit\u00e4t der Gro\u00dfstadt geh\u00f6rt es, sich erst dann um seine Nachbarn zu k\u00fcmmern, wenn sie anfangen, mit Zetteln im Hausflur vor L\u00e4rmbel\u00e4stigung durch eine Hausgeburt zu warnen.<\/p>\n<p>c) Ich mochte die Wohnung, und ich mach mir die Welt, wie sie mir gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Letzteres muss wohl die Einstellung der oben genannten Nachbarn sein, zu deren Ehrenrettung man jedoch noch erw\u00e4hnen muss, dass sie wohl Opfer von Pfusch an der D\u00e4mmung am Bau waren. Dennoch ist das Selbstverst\u00e4ndnis, dass diese Eigentumsbesitzer allein aus der Tatsache, dass sie Eigentum besitzen, ableiten, unertr\u00e4glich. Wer Szene will, darf gerne herkommen. Wer Ruhe will, soll in ein Erdloch ziehen. Wer beides will, soll sich ein Raumschiff kaufen und sich jeden Freitagabend vom Kollwitzplatz zwei Kilometer hoch in den Himmel schie\u00dfen lassen. Aber wehe, die Sterne wispern noch vorm Einschlafen.<\/p>\n<p>PS: Ein sch\u00f6nes Zitat habe ich noch. Es stammt vom zust\u00e4ndigen Pankower Stadtrat, der sich zwar aufgrund seiner Historie f\u00fcr den Erhalt des Knaacks einsetzt, aber meinte, Prenzlauer Berg lebe auch davon, dass es sich st\u00e4ndig \u00e4ndere. &#8222;Am meisten wehren sich immer diejenigen gegen jede Ver\u00e4nderung, die selbst erst vor zehn Jahren hergezogen sind. Denen w\u00e4re es am liebsten, man \u00fcberg\u00f6sse die Stadt in dem Zustand, in dem sie sie damals vorgefunden haben, mit Plaste.&#8220;<\/p>\n<p>Plaste aufs Knaack. Elaste f\u00fcr den Rest.<\/p>\n<p>&#8211; Ende der Durchsage. &#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen musste ich beruflich ins Knaack, und zwar zur Mittagszeit. 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