{"id":432,"date":"2010-05-27T09:47:53","date_gmt":"2010-05-27T07:47:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=432"},"modified":"2018-05-15T10:56:18","modified_gmt":"2018-05-15T08:56:18","slug":"lets-go-to-the-mall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=432","title":{"rendered":"Let&#8217;s go to the mall"},"content":{"rendered":"<p>Ich gehe nicht besonders gerne shoppen. Und kenne mindestens eine Person, die beim Lesen dieses Satzes einen Edding aus der Schublade zieht und ihn dreimal dick auf dem Bildschirm unterstreicht und mit Ausrufezeichen versieht.<\/p>\n<p>Doch manchmal hat man keine Wahl, denn dann kommt die kleine Schwester zu Besuch. Aus der Provinz. Wo es nicht so viele feine Einkaufszentren gibt wie in der Gro\u00dfstadt. Was zwangsl\u00e4ufig dazu f\u00fchrt, dass man einen Gro\u00dfteil seiner Tagesfreizeit gemeinsam mit Schule-schw\u00e4nzenden Berufssch\u00fclern, die sich auf dem Weg vom Sonnenstudio ins Sonnenstudio mal eben die N\u00e4gel machen lassen m\u00fcssen, und \u00fcbergewichtigen Muttis, die die aktuelle Folge von We are Family schon kennen, in \u00fcberheizten R\u00e4umen verbringen muss. Beschallt durch Barry Manilow. In der Nase den Geruch von Ditsch. Und Synthetik. Was einen gleichzeitig auch blendet. Neonfarben, Pimky&#8230; und schon sind wir im Thema.<\/p>\n<p>Wenn ich selbst mal so ein Shoppingzentrum aufsuche, dann steuer ich immer die gleichen Stationen an. Und dazu geh\u00f6ren eben weder Pimky. Noch Orsay. Noch New Yorker. Noch Nanu Nana. Noch Cheap and Awful. Und da erst gar nicht in die Abteilung, die der Laden selbst als &#8222;das Richtige f\u00fcr junge und junggebliebene Frauen&#8220; charakterisiert.<\/p>\n<p>Meine Schwester sieht das anders.<\/p>\n<p>Nicht, dass man mich falsch versteht: Sie ist j\u00fcnger, sie darf das. Aber f\u00fcr mich war es doch ein Ausflug in eine fremde Welt.<\/p>\n<p>So gab es in einem Laden mit Namen Weltbild, als ich ihn vor Jahren das letzte Mal besuchte, noch B\u00fccher. Mittlerweile haben sich daneben Hornhautfeilen und Sets zum Schokoladen-Gie\u00dfen etabliert, mit denen sich die Menschen die Freizeit vertreiben k\u00f6nnen, die gerne Schokolade kaufen, einschmelzen und dann in bei Weltbild gekauften F\u00f6rmchen erneut zu Tafeln erstarren lassen.<\/p>\n<p>Dass sich der Laden, der sich nach einem altv\u00e4terlichen Verwunderungsausdruck benannt hat, dem Verkauf eben solcher lebensnotwendigen Artikel verschrieben hat, was schon zu meiner Zeit so. Die \u00fcberdimensionalen Pl\u00fcsch-S\u00e4cke mit der Aufschrift &#8222;Alter Sack&#8220;, die Kaffeebecher mit zwei Litern Fassungsverm\u00f6gen und die kleinen neonfarbenen Plastikkugeln, in die man w\u00e4hrend der Ferien seine Blumen pflanzen soll und die angeblich mit der Zeit zu Wasser werden. Aber wohl eher ein Garant f\u00fcr die chemische Zersetzung mit \u00dcbergang in einen giftgasf\u00f6rmigen Zustand sind, gab es noch nicht.<\/p>\n<p>Aus dem gleichen Material wie besagte K\u00fcgelchen werden meiner Meinung nach auch die meisten Kleidungsst\u00fccke gefertigt, die in einschl\u00e4gigen Modeboutiquen zu erwerben sind. Die chinesische Chemieindustrie muss wirklich gut verdienen an den Dingen, die moderne Dreizehn-, na, sagen wir Elfj\u00e4hrige als stylische Tops empfinden. Und auch deutsche Haut\u00e4rzte k\u00f6nnten vermutlich dicht machen, wenn diese Kids nicht genug Taschengeld und Selbstbewusstsein h\u00e4tten, sich sowas zu kaufen. Was ja auch etwas Gutes hat, immerhin sichern sie so die Arbeitspl\u00e4tze Gleichaltriger in Schwellenl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Womit ich hier \u00fcber diverse Zeilen erfolgreich dargelegt habe, dass ich nicht nur 100.000 Jahre alt bin, sondern auch unglaublich reaktion\u00e4r. Der sich aufdr\u00e4ngenden Vermutung, ich kleidete mich in selbstgekl\u00f6ppelte Sackleinen, muss ich jedoch widersprechen. Ich mag nur einfach nicht so gerne Kleidung, die beim B\u00fcgeln verdampft. Aber immer gut zu wissen, dass das m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gehe nicht besonders gerne shoppen. Und kenne mindestens eine Person, die beim Lesen dieses Satzes einen Edding aus der Schublade zieht und ihn dreimal dick auf dem Bildschirm unterstreicht und mit Ausrufezeichen versieht. Doch manchmal hat man keine Wahl, denn dann kommt die kleine Schwester zu Besuch. Aus der Provinz. 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