{"id":393,"date":"2010-05-19T22:32:25","date_gmt":"2010-05-19T20:32:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=393"},"modified":"2010-05-19T22:34:31","modified_gmt":"2010-05-19T20:34:31","slug":"von-sprechblasen-und-krumelmonstern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=393","title":{"rendered":"Von Sprechblasen und Kr\u00fcmelmonstern"},"content":{"rendered":"<p>Entschuldigt, dass ich so lange nicht da war, ich sa\u00df fest in der l\u00e4ngsten Pressekonferenz der Welt. Und das nicht zum ersten Mal.<\/p>\n<p>Im Prinzip habe ich gar nichts gegen PKs. Der Kaffee ist zwar meist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig lange abgestanden und stammt aus gro\u00dfen Kannen, die mich stets an Kuchenbuffets am Elternsprechtag erinnern. Daf\u00fcr gibt es absurde Schnittchen, die ich mir nie zu Hause machen w\u00fcrde, denn wer legt schon Erdbeeren auf seine K\u00e4sebrote? Und standardm\u00e4\u00dfig nat\u00fcrlich Keksmischungs-Geb\u00e4ck, das zwar staubtrocken ist, aber wie alles andere das wichtigste aller Journalisten-Kriterien erf\u00fcllt: Es ist umsonst.<\/p>\n<p>Im besten Fall sitzen vorne an einem Tisch drei Leute, jemand hat daran gedacht, ihnen auch f\u00fcr Sehbehinderte in der letzten Reihe noch lesbare Namensschilder vor die Nase zu setzten, und in einer halben Stunde ist die Sache gegessen.<\/p>\n<p>Schwerer hat man es, wenn man ein zwanzigk\u00f6pfiges Podium vor sich hat, die alle etwas sagen und sich ab einer bestimmten Zeit auch gegenseitig ins Wort fallen wollen, weil man hier zwar f\u00fcr ein gemeinsames Thema sitzt, aber das noch lange nicht bedeutet, auch einer Meinung zu sein. Und das soll so auch bitte nicht in der Zeitung stehen.<\/p>\n<p>Und im schlimmsten Fall ger\u00e4t man in etwas, dass eigentlich die Nachbesprechung eines komplizierten, langwierigen, noch nicht ganz abgeschlossenen Konzeptes ist, an dem haupts\u00e4chlich Sozialarbeiter mitgewirkt haben, die nun, der Transparenz wegen, die Medien dazugebeten haben und das ganze daher Pressekonferenz nennen. Denn niemand hat behauptet, dass die nicht auch mal mehrt\u00e4gig sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einige der eindrucksvollsten Pressekonferenzen habe ich in meiner Zeit in der Provinz erlebt, als die Presse immer nur aus dem Kollegen von der Konkurrenzzeitung am Ort und mir bestand. Mit der stets gleichen Choreographie, nach der sich der Kollege um neue Rekorde in der Vertilgung besagter Geb\u00e4ckmischungen bem\u00fchte, w\u00e4hrend ich die Fragen stellte. Zum Schluss klopfte er mir dann auf die Schulter und sagte, er habe mir mal den Vortritt gelassen, denn ich solle ja noch was lernen. Ich h\u00e4tte ihm im Gegenzug auf den stetig wachsenden Bauch klopfen sollen, unterlie\u00df es aber, denn Menschen, die in zehn Minuten 500 Gramm Kekse vernichten k\u00f6nnen, m\u00f6chte man nicht zum Feind haben.<\/p>\n<p>Unvergessen ist f\u00fcr mich die PK eines Kunstvereins, deren Mitglieder sich w\u00e4hrend der Sitzung so zerstritten, dass einzelne Seiten der eben nicht von allen abgesegneten Pressemitteilung vernichtet werden mussten. W\u00e4hrend der Pressekonferenz, das wurde genau kontrolliert. Fast ebenso sch\u00f6n war das Treffen mit den Vertretern einer p\u00e4dagogischen Fachkonferenz, die eineinhalb Stunden lang nicht einsehen wollten, dass ich nicht f\u00fcr &#8222;Der Lehrer&#8220; oder wie auch immer Fachzeitschriften in diesem Bereich hei\u00dfen m\u00f6gen schrieb, sondern f\u00fcr die \u00f6rtliche Lokalzeitung. Und auch das Gespr\u00e4ch mit den Guttemplern \u00fcber ihr Engagement f\u00fcr den F\u00fchrerschein-Idiotentest werde ich nicht vergessen &#8211; jedoch nur, weil ich mich nie genau entscheiden konnte, wo ich hingucken sollte: Auf die verquollene S\u00e4ufernase des Chefguttemplers, auf das Sauerstoffzelt seines Vertreters, oder vielleicht doch auf meinen Werbekuli von Aperol, mit dem ich das ganze protokollierte?<\/p>\n<p>Wie auch immer der Kaffee, die Kekse oder die Gespr\u00e4chspartner sein sollten &#8211; in bester Erinnerung beh\u00e4lt man so eine Konferenz doch, wenn sie nicht zu lange dauert. Heute brachte man es auf zwei Stunden &#8211; zumindest war das der Zeitpunkt, als ich beschloss, nicht auch noch die dritte Diskussionszeitschleife zum immer gleichen Thema abzuwarten. Als ich mich leise aus dem Saal schlich (immer hinten sitzen nicht vergessen) kam es dann zum GAU: Man folgte mir. Und fragte: &#8222;Sie wollen schon gehen?&#8220; Seit genau eineinhalb Stunden w\u00e4re die einzig ad\u00e4quate Antwort gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entschuldigt, dass ich so lange nicht da war, ich sa\u00df fest in der l\u00e4ngsten Pressekonferenz der Welt. Und das nicht zum ersten Mal. Im Prinzip habe ich gar nichts gegen PKs. Der Kaffee ist zwar meist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig lange abgestanden und stammt aus gro\u00dfen Kannen, die mich stets an Kuchenbuffets am Elternsprechtag erinnern. 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