{"id":2845,"date":"2014-09-23T11:49:36","date_gmt":"2014-09-23T09:49:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2845"},"modified":"2014-09-23T15:10:39","modified_gmt":"2014-09-23T13:10:39","slug":"endstation-winzerfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=2845","title":{"rendered":"Endstation Winzerfest"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/IMG_08291.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2857\" src=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/IMG_08291.jpg\" alt=\"IMG_0829\" width=\"3023\" height=\"1301\" srcset=\"https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/IMG_08291.jpg 3023w, https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/IMG_08291-300x129.jpg 300w, https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/IMG_08291-1024x440.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 3023px) 100vw, 3023px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich habe eine kleine Theorie. Sie lautet: Das Internet ist gar nicht schuld am Sterben der Zeitungen. Zumindest im Lokalen. Es sind die Zeitungen selbst, die sich ihr Grab schaufeln, und zwar mit sterbenslangweiligen Inhalten (Schlechte Totholz-Wortwitze Ende).<\/p>\n<p>Heute Morgen habe ich zum Beispiel f\u00fcrs <a href=\"http:\/\/weblogs.evangelisch.de\/weblogs\/altpapier\/2014\/09\/23\/showmaster-ist-mein-beruf-ein-beruf-ein-beruf-den-der-teufel-schuf\">Altpapier<\/a>\u00a0mal eben geschaut, was das gerade tragisch dahinsiechende Darmst\u00e4dter Echo heute berichtet: <a href=\"http:\/\/www.echo-online.de\/region\/darmstadt-dieburg\/gross-umstadt\/Regenschirme-und-schrille-Kostueme-beim-Winzerfestumzug;art1289,5456148\">Winzerfest<\/a>. <a href=\"http:\/\/www.echo-online.de\/region\/gross-gerau\/gross-gerau\/Entspannte-Einkaufsatmosphaere;art1253,5456762\">Basar<\/a>. <a href=\"http:\/\/www.echo-online.de\/region\/odenwaldkreis\/reichelsheim\/Volksbank-Spende-fuer-Maerchentage;art1276,5456731\">Volksbank-Spende<\/a>.\u00a0\u00a0&#8222;<span style=\"color: #333f45;\">Volksbank-Vorstand Markus G\u00f6bel lobte bei der \u00dcbergabe des Geldes an die ausrichtende Gemeinde Reichelsheim die hervorragende Organisation der l\u00e4ngst weit \u00fcber die Region hinaus bekannten M\u00e4rchen- und Sagentage, die ein H\u00f6hepunkt unter den zahlreichen Veranstaltungen der Region seien.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Mittlerweile habe ich oft genug mit Lokalredakteuren diskutiert, um zu wissen, was sie auf diesen Einwand immer antworten, n\u00e4mlich &#8222;Das wollen die Leute halt lesen.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4re das richtig,\u00a0gingen die Verkaufszahlen nicht so nach unten.<\/p>\n<p>Dabei haben gerade die Lokalzeitungen doch den unfassbaren Vorteil, Inhalte zu generieren, die man eben nicht bei SpOn, der New York Times oder Buzzfeed bekommt. Wer wissen will, was am Ort los ist, kommt auch 2014 an der Lokalzeitung nicht vorbei. Welche jedoch\u00a0inhaltlich\u00a0noch im Jahr 1981 h\u00e4ngt &#8211; in Zeiten, als Vereine \u00fcber ihre Jahreshauptversammlungen noch nicht auf ihrer Internetseite berichten\u00a0konnten und Menschen ihre t\u00e4gliche Mediennutzungszeit auf eine ausgedruckte Zeitung und drei Fernsehprogramme verteilten.<\/p>\n<p>Der Medienwandel hat in vielen Lokalzeitungsh\u00e4usern stattgefunden, indem sie\u00a0ihre Inhalte nun auch auf eine Internetseite zweifelhaften Namens kippen (<a href=\"http:\/\/www.echo-online.de\/\">&#8222;Echo Online&#8220;<\/a> im Falle des Darmst\u00e4dter Echos; mein absoluter Favorit in dieser Reihe ist aber die Braunschweiger Zeitung, die ihren Internetauftritt lange &#8222;Newsclick&#8220; nannte) und eventuell noch eine Facebook-Seite aufbauen. Das Kernprodukt sieht derweil aus wie vor 25 Jahren. Was in etwa so ist, als w\u00fcrde H&amp;M nur Karottenhosen produzieren und sich wundern, dass die niemand mehr kauft.<\/p>\n<p>Die Kollegen aus Darmstadt werden sich f\u00fcr solche Tipps bedanken, ich wei\u00df. In Zukunft sollen sie mit einem Hauch des bisherigen Personals eine bessere Zeitung machen; diese seltsame Rechenweise bekommt man wohl derzeit in Managementschulen f\u00fcr Verlagsinhaber beigebracht. Tats\u00e4chlich sagte mir unl\u00e4ngst ein Kollege, als ich mich <a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2824\">mal wieder<\/a> \u00fcber die Qualit\u00e4t im Lokalen beschwerte, angesichts der Arbeitsbedingungen sei das Produkt doch noch ganz gut.<\/p>\n<p>Ich stelle mir das gerade als Zeitungskopf vor: &#8222;Darmst\u00e4dter Echo. Die unabh\u00e4ngige politische Tageszeitung S\u00fcdhessens. Angesichts der Umst\u00e4nde noch ganz okay&#8220;. W\u00fcrden Sie daf\u00fcr knapp 35 Euro im Monat ausgeben?<\/p>\n<p>Derzeit lautet die Antwort noch: aus Gewohnheit ja, sonst nicht. Laut <a href=\"http:\/\/www.agma-mmc.de\/presse\/pressemitteilungen\/details\/artikel\/ma-2014-tageszeitungen-veroeffentlicht.html\">aktueller Media-Analyse Tageszeitungen<\/a>\u00a0haben 65,2 Prozent der \u00fcber 50-J\u00e4hrigen eine Regionalzeitung abonniert. Bei den 30 bis 49-J\u00e4hrigen sind es noch 45,2.<\/p>\n<p>Womit wir zum zweiten Teil meiner lustigen Theorie kommen: Das Internet ist im Lokalen eine riesige Chance.<\/p>\n<p>Vielen Zeitungen besch\u00e4ftigen derzeit einen Teil ihrer Mitarbeiter damit, dpa-Meldungen auszudrucken und das Mantel zu nennen. Die sparsamen unter den Verlegern haben diesen Teil l\u00e4ngst outgesourced, was immer mit einem Aufschrei einhergeht, die Pressevielfalt ginge verloren &#8211; dabei hat es wenig mit Vielfalt zu tun, wo nun dpa-Meldungen f\u00fcr den Abdruck freigegeben werden. Warum also nicht einfach diesen Teil der Arbeit ganz aufgeben und sich v\u00f6llig aufs Lokale konzentrieren?\u00a0Im Internet ist der Mantel eh nun einen Klick entfernt, bei <a href=\"faz.net\">faz.net<\/a>, <a href=\"sueddeutsche.de\">sueddeutsche.de<\/a>\u00a0oder <a href=\"zeit.de\">zeit.de<\/a>. (\u00dcber die Finanzierung der dpa sprechen wir dann ein anderes Mal.)<\/p>\n<p>Der andere Vorteil: das Internet ist immer voll und leer genug zugleich. In meinem Volo musste ich eine zeitlang die Seite eines kleinen Kreises betreuen, an dem leider nicht jeden Tag ausreichend Spannendes passierte, um diese Seite auch zu f\u00fcllen. Wer sich schon immer mal gefragt hat, ob man eigentlich aus 35 Zeilen Polizeimeldung \u00fcber ein entlaufendes Pferd einen 70-Zeilen-Aufmacher machen kann, wenn es sein muss: Ja, das geht.\u00a0Das ist zwar f\u00fcr Leser wie\u00a0Redakteure eine schlimme Tortur, aber wei\u00dfe Seiten m\u00fcssen dann nicht in den Druck gehen.<\/p>\n<p>Im Internet kann man sich soetwas sparen. Passiert nichts Relevantes, schreibt man nichts. Hat man was zu erz\u00e4hlen, muss man sich nicht\u00a0auf 80 Zeilen beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde, weshalb das alles nur eine dumme Spinnerei von mir ist, sind nat\u00fcrlich vielf\u00e4ltig: 80-J\u00e4hrige gehen nicht ins Internet. Wenn niemand mehr \u00fcber Scheck\u00fcbergaben schreibt, werden auch keine Schecks mehr \u00fcbergeben und keine sozialen Projekte mehr gef\u00f6rdert. Wovon sollen die Drucker leben? Niemand verdient Geld im Internet.<\/p>\n<p>F\u00fcr mehr Argumente fragen\u00a0Sie ihren Lokalredakteur oder Verleger.<\/p>\n<p>Allerdings ist mir nicht ganz klar, warum\u00a0man auf Leute h\u00f6ren sollte, die unbeeindruckt von medialen Revolutionen stur ein Produkt Typ 1981 weiterproduzieren, wenn es nicht mehr l\u00e4uft die Mitarbeiter rausschmei\u00dfen und sich dabei noch gegenseitig die Schultern klopfend behaupten, sie seien das letzte Bollwerk der Demokratie in diesem Lande.<\/p>\n<p>Ich habe die leichte Vermutung, dass gerade diese f\u00fcr den Lokaljournalismus die viel gr\u00f6\u00dfere Gefahr darstellen als dieses Internet.<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b8ff4f99cfab4c8288f9826d1e066492\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe eine kleine Theorie. Sie lautet: Das Internet ist gar nicht schuld am Sterben der Zeitungen. Zumindest im Lokalen. 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