{"id":2542,"date":"2013-08-04T19:26:37","date_gmt":"2013-08-04T17:26:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2542"},"modified":"2013-08-04T19:26:37","modified_gmt":"2013-08-04T17:26:37","slug":"mein-haus-mein-gartenhaus-mein-kaufhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=2542","title":{"rendered":"Mein Haus, mein Gartenhaus, mein Kaufhaus"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe Goethes linken Fausthandschuh gesehen. Und nein, das ist leider keine dieser humoresk daherkommenden Formulierungen, bei denen sich am Schluss herausstellt, dass Goethe in diesem Fall ein dreibeiniges Kaninchen ist und der echte Goethe seidene Fingerhandschuhe bevorzugte. Es ist genau so gemeint, wie es da steht: Goethes linker Fausthandschuh ist zu besichtigen. Neben seinen Hosentr\u00e4gern, seinem Reisemantel und diversen Federkielen, die vielleicht sogar Zeitgenossen Goethes tats\u00e4chlich mal zu nutzen beabsichtigt hatten. Das Weimarer Goethe-Haus hat all dies ausgestellt. W\u00e4re in den 10,50 Euro Eintritt eine Fotoerlaubnis inkludiert gewesen, ich h\u00e4tte selbstredend ein Beweisfoto beigef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Womit ich sagen will: Ich war in Weimar und habe zu viel Geld in den Besuch eines Museums gesteckt, das seinem Berichtsgegenstand so verfallen ist, dass es sogar seine &#8211; leider nur zum Teil erhaltene &#8211; Wintermode ausstellt und genau protokolliert hat, wann der alte Geheimrat welche Wand seines Hauses von Blau zu Gr\u00fcn streichen lie\u00df. Was ein wenig schade ist, angesichts der Tatsache, dass ich mich durchaus f\u00fcr Goethes Leben und Werk interessiert h\u00e4tte, w\u00e4re denn auch ein wenig dar\u00fcber zu erfahren gewesen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Goethe1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" alt=\"Goethe\" src=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Goethe1.jpg\" width=\"470\" height=\"250\" \/><\/a><\/p>\n<p>Folgerichtig pr\u00e4sentiert sich die Konsumg\u00fcter-Industrie in Weimar nicht in einem schlichten Kaufhof, sondern im Goethe-Kaufhaus. Das einem gleich noch vermittelt, dass Goethe seine Zahnseide gern bei dm erstand (&#8222;Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein&#8220;).<\/p>\n<p>Auch Schiller wird entsprechend gew\u00fcrdigt mit Wohnhaus samt Museumsshop samt Apfelkonfit\u00fcre (Ganz recht, wegen Wilhelm Tell, und auch ich bin froh, dass dieser und nicht Die R\u00e4uber hier inspirierend Pate standen) und Kaufhaus. Nur sein Gartenhaus musste Weimar leider an Jena abtreten.<\/p>\n<p>Womit eine sch\u00f6ne \u00dcberleitung geschaffen w\u00e4re zu anderen St\u00e4dten, die ich auch besucht habe, seitdem ich auf meiner Reise eine kleine Schreibpause eingelegt habe.<\/p>\n<p>Amberg zum Beispiel, was hier nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf aufgrund der Tragik seiner gr\u00f6\u00dften Sehensw\u00fcrdigkeit, der Amberger Stadtbrille. Anders, als ich es gern gehabt h\u00e4tte, ist diese leider kein Produkt des Gr\u00f6\u00dfenwahns der \u00f6rtlichen Optiker-Innung, sondern lediglich der Phantasie der Einwohner zu verdanken, die die Br\u00fccke und ihre Spiegelung als Brille wahrnehmen.<\/p>\n<p>Leider wurde vor ein paar Jahren entdeckt, dass die Br\u00fccke nicht zwei, sondern drei B\u00f6gen hat, und jemand ohne Ahnung von Tourismusmarketing hat daf\u00fcr gesorgt, dass auch dieser Bogen freigelegt wurde. Um den Schein halbwegs zu wahren, wurde wohl die kleine Mauer links im Bild errichtet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Amberg.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2554\" alt=\"Amberg\" src=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Amberg.jpg\" width=\"470\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Amberg.jpg 470w, https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Amberg-300x159.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Oder in N\u00fcrnberg, wo im Zentrum auf der B\u00fchne des Festes der \u00f6kologischen Landwirtschaft eine badische Flamencogruppe ihr Bestes gab, w\u00e4hrend am Stadtrand auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgel\u00e4nde <a href=\"https:\/\/twitter.com\/WorkingMonkey\/status\/358913976811270144\" target=\"_blank\">ein <del>Kdf-Wagen-<\/del>\u00a0VW-Oldtimer-Treffen stattfand<\/a>.<\/p>\n<p>Oder in Schwerin, das man dank des pomp\u00f6sen Schlosses fast mit Euro-Disney verwechseln k\u00f6nnte, wenn Disneyland nicht erst um <a href=\"http:\/\/news.disneylandparis.co.uk\/calendar\/index.xhtml?#\" target=\"_blank\">23 Uhr schl\u00f6sse<\/a> und Schwerin schon um halb sieben.<\/p>\n<p>Mit dem erhebenden Gef\u00fchl beim Anblick von Goethes linkem Fausthandschuh kann das alles aber leider nicht mithalten. Mein Leben wird danach nicht mehr sein, wie es war.<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/df269a267bdd473eb15f85c607ec1570\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe Goethes linken Fausthandschuh gesehen. Und nein, das ist leider keine dieser humoresk daherkommenden Formulierungen, bei denen sich am Schluss herausstellt, dass Goethe in diesem Fall ein dreibeiniges Kaninchen ist und der echte Goethe seidene Fingerhandschuhe bevorzugte. Es ist genau so gemeint, wie es da steht: Goethes linker Fausthandschuh ist zu besichtigen. 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