{"id":2509,"date":"2013-07-22T17:42:26","date_gmt":"2013-07-22T15:42:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2509"},"modified":"2013-07-22T18:12:46","modified_gmt":"2013-07-22T16:12:46","slug":"funf-dinge-die-ich-an-lokalzeitungen-nie-verstehen-werde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=2509","title":{"rendered":"F\u00fcnf Dinge, die ich an Lokalzeitungen nie verstehen werde"},"content":{"rendered":"<p>Als <a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2457\" target=\"_blank\">Reisender durch Deutschland<\/a> hat man es heutzutage nicht leicht. Und nein, das liegt ausnahmsweise einmal nicht an der Deutschen Bahn, sondern an der Filialisierung der Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. V\u00f6llig egal, ob man nach G\u00f6rlitz, Dresden oder Regensburg reist, Rossmann, Fielmann und ihre Freunde sind immer schon da. Eigentlich gibt es nur zwei M\u00f6glichkeiten, will man herausfinden, ob man gerade in einer Kochl\u00f6ffel-Filiale in Amberg oder Peine speist: Man verl\u00e4sst sie schnellstm\u00f6glichst und bestellt in der n\u00e4chstgelegenen Kaschemme ein Bier vom Fass. Oder man geht an den Kiosk und ordert die Lokalzeitung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich derzeit durch Deutschland reise, w\u00e4hle ich zugegebener Ma\u00dfen oft beide Optionen. Da ich Journalistin und nicht Braumeisterin bin, muss ich es beim Bier leider bei der pauschalen Aussagen belassen: Das mit dem Zwerg drauf hat mir gut gefallen (Ja, ganz recht, wegen des Zwergs drauf).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bier.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2516\" alt=\"Bier\" src=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bier.jpg\" width=\"540\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bier.jpg 540w, https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bier-300x166.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den Lokalzeitungen f\u00e4llt mir jedoch ein wenig mehr ein. Und damit Sie hier weiterlesen, obwohl, so viel sei hier schon verraten, kein Bier-Bild mehr kommt, und weil es so sch\u00f6n klingt, habe ich es auf f\u00fcnf Merkmale beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>1. Ein Autor namens dpa<\/h3>\n<p>Es ist nicht so, als ob ich nicht verst\u00e4nde, dass eine Regionalzeitung nicht in aller Welt einen Korrespondenten haben kann. Nicht mal in jeder Berliner Ausschusssitzung. Da darf man ruhig die dpa bem\u00fchen, denn daf\u00fcr ist sie ja da.<\/p>\n<p>Was ich aber nicht verstehe, ist, wenn die gesamte Zeitung mit Ausnahme des Lokalteils aus dpa-Meldungen besteht. Beim Fr\u00e4nkischen Tag\u00a0scheint man sogar dazu \u00fcbergegangen zu sein, Texte, die noch von Hand selbst geschrieben und recherchiert wurden, explizit mit &#8222;von unserem Redaktionsmitglied&#8220; zu kennzeichnen. In dieser Zeitung entdeckte ich auch\u00a0eine komplette sechsseitige Beilage mit dem sch\u00f6nen Titel &#8222;Journal&#8220;, die ausschlie\u00dflich aus dpa-St\u00fccken gebaut war. Und so nicht einmal Platz f\u00fcr Anzeigen generierte, denn die einzige Werbung in dem Teil war f\u00fcr die Verlags-eigene Lesereise.<\/p>\n<p>Sonst werden gerne Online-Medien daf\u00fcr verdammt, dass sie die hohe Kunst des Copy-Paste so exzessiv bem\u00fchen. Lokalzeitungen beweisen, dass man Kopiertes durchaus auch noch ausdrucken kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>2. Unser Freund, die Gesch\u00e4ftser\u00f6ffnung<\/h3>\n<p>Nennt mich altert\u00fcmlich, aber ich finde, wenn an der Ecke ein neuer Fleischer er\u00f6ffnet, dann kann das gerne in der Zeitung stehen. Im Anzeigenteil. Einzige Ausnahme: Der Fleischer ist a) der erste \u00fcberhaupt, b) fr\u00fcher mal bei GZSZ aufgetreten oder c) Vegetarier. In den F\u00e4llen, die ich in den letzten Tagen beobachtet habe, war das aber jeweils nicht gegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>3. Die hohe Kunst des Freistellens<\/h3>\n<p>Ich stelle mir das in etwas so vor: Als im Jahr, seien wir realistisch, 2009 das Programm Photoshop Einzug in die Lokalredaktionen hielt, war das eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung: So viele sch\u00f6ne Optionen, den Himmel pink, die Schrankwand zum Strand und dicke Oberschenkel etwas weniger dick zu machen. Und die Journalisten durften keine davon benutzen. (Au\u00dfer, sie waren angestellt bei einer <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/blake-lively-und-ihre-schwester-blake-not-so-lively\/\" target=\"_blank\">dieser TV-Illustrierten<\/a>.) Sich auf ewig auf das Erhellen unterbelichteter Amateurfotos und das Verpixeln von Nummernschildern zu beschr\u00e4nken, kam nicht in Frage. Da entdeckte jemand die Funktion des Freistellens. Die seither genutzt wird, bis, \u00e4h, in diesem Fall der Kran kommt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Zeitung.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2517\" alt=\"Zeitung\" src=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Zeitung.jpg\" width=\"540\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Zeitung.jpg 540w, https:\/\/www.juliane-schader.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Zeitung-300x266.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Aufmacher des Bamberger Lokalteils des Fr\u00e4nkischen Tags vom Freitag, 19. Juli.<\/span><\/p>\n<p>Noch sch\u00f6ner w\u00e4re es nur, hinge der Oberb\u00fcrgermeister am Haken und der Manager tanzte auf dem Dach. Ich nehme an, diese Variante fiel dem nahendem Redaktionsschluss zum Opfer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>4. &#8230;<\/h3>\n<p>Ich bin wahrlich kein Fan wahlloser Verbote f\u00fcr Journalisten. Sollen doch bitte von mir aus alle &#8222;letzte Woche&#8220; schreiben, obwohl die Erfahrung zeigt, dass die vergangene gar nicht die letzte aller Wochen war. Nur eins halte selbst ich f\u00fcr grenzwertig: Artikel mit &#8222;&#8230;&#8220; zu beenden. Waren die Smileys aus? Keine Zeit mehr, noch einen abschlie\u00dfenden Gedanken zu formulieren? Keine Lust? Auf der Punkt-Taste eingeschlafen?<\/p>\n<p>Und was soll mir das sagen? Sie wissen schon? Bleibt abzuwarten? Sie, lieber Leser, sind mir so vertraut, dass ich mit ihnen kommuniziere wie sonst nur mit meinen Freundes per Sms? Sachdienliche Hinweise bitte an mich.<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 13px;\"><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<h3>5. Die Irrlichter des dialektisch wie verwunschen-verschwurbelten Feuilletons<\/h3>\n<p>Kein Fremdwort, kein Fachausdruck, geschweige denn ein Nebensatz darf in den Lokalteilen auftauchen, damit auch ja jeder die Texte versteht. Nur im Kulturteil m\u00fcssen die Redakteure auf Teufel komm raus gegen das Stigma anschreiben, das sie scheinbar belastet, weil eben meist &#8222;Kultur&#8220; statt Feuilleton&#8220; am Kopf ihrer Seite steht.<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen habe ich mehrfach Rezensionen gelesen, nach denen ich ausf\u00fchrlich informiert war, und zwar sowohl \u00fcber die L\u00e4nge des gespendeten Applauses als auch \u00fcber die Liebe des Autors f\u00fcr seltsame Adjektive. Nur der Inhalt des St\u00fccks bzw. Buchs war auch nach 80 Zeilen bei mir nicht angekommen. Schade, irgendwie.\u00a0Denn, vers\u00f6hnliches Fazit: Lokaljournalismus ist so wichtig und spannend, <a href=\"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2320\" target=\"_blank\">finde ich<\/a>. Nur lesen k\u00f6nnen sollte man ihn eben auch.<\/p>\n<p><em>Ich h\u00e4tte hier gerne auch das ein oder andere Beispiel verlinkt. Leider stehen die Texte aber entweder nicht online oder hinter einer Bezahlschranke.<\/em><strong>\u00a0<\/strong> <img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/b093aced982a4e4daab9453298dbc1f0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Reisender durch Deutschland hat man es heutzutage nicht leicht. Und nein, das liegt ausnahmsweise einmal nicht an der Deutschen Bahn, sondern an der Filialisierung der Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. V\u00f6llig egal, ob man nach G\u00f6rlitz, Dresden oder Regensburg reist, Rossmann, Fielmann und ihre Freunde sind immer schon da. 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