{"id":2439,"date":"2013-06-18T16:46:55","date_gmt":"2013-06-18T14:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2439"},"modified":"2013-06-18T17:02:04","modified_gmt":"2013-06-18T15:02:04","slug":"theres-always-money-in-the-banana-stand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=2439","title":{"rendered":"There&#8217;s Always Money In The Banana Stand"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Wochenende war ich in Hamburg. Oder besser: In einer Stadt, von der ich glaube, dass sie Hamburg war, denn au\u00dfer dem NDR-Gel\u00e4nde und einem Gasthaus am Rande der 70er habe ich nicht viel gesehen. Was allerdings erst meine und dann die Schuld des auf Krawall geb\u00fcrsteten Wetters war. Doch ich schweife ab.<\/p>\n<p>NDR-Gel\u00e4nde also, und mancher wird schon ahnen, was jetzt kommt, n\u00e4mlich ein paar Gedanken zum Kongress des Netzwerks Recherche. Netter Weise hatte es mich eingeladen, ein wenig \u00fcber die kleine <a href=\"http:\/\/prenzlauerberg-nachrichten.de\/\">Prenzlette<\/a> zu sprechen, was man ja auch nicht oft genug tun kann. Entsprechend hatte ich mich vorbereitet auf Diskussionen \u00fcber die vermeintlich zweifelhafte Seriosit\u00e4t des Internets, die Banalit\u00e4t des Lokalen im Allgemeinen und die Bratwursthaftigkeit der dort \u00fcblichen Wortwahl im Besonderen. Ich wollte \u00fcber die Rolle als vierte Gewalt sprechen, die Direktheit des Lokalen preisen und nochmal die Sache mit der Tr\u00e4germedium, das doch so wenig aussagt \u00fcber die Qualit\u00e4t des Getragenen, erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Doch dann wollten doch nur alle wissen, wie ich mich eigentlich finanziere. Und zwar weniger aus Sorge um mein pers\u00f6nliches Wohlergehen, sondern eher aus dem fehlenden Vertrauen darauf, sich selbst in Zukunft aus den bestehenden Strukturen heraus versorgen zu k\u00f6nnen. Kurz: Die Journalisten haben ihren Glauben an die Verlage verloren (oder zumindest die, mit denen ich gesprochen habe). So musste ich als Freie, die f\u00fcr ein\u00a0mikroskopisch kleines Start-up arbeitet, bei dem niemand wei\u00df, wo das noch hinf\u00fchren soll, pl\u00f6tzlich den gutbezahlten Festangestellten gro\u00dfer Verlagsh\u00e4user Mut zu sprechen.<\/p>\n<p>Ich habe mich noch nicht entschieden, wie ich das finden soll und was das eigentlich \u00fcber den Zustand des Journalismus aussagt. Zumal ich an normalen Tagen als Motivator in etwas so geeignet bin wie Lothar Matth\u00e4us als Beziehungscoach oder Klaus Wowereit als Planer eines Flughafens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Armin Wolf hat zu Beginn der Tagung eine wunderbare Rede gehalten, die jeder\u00a0<a href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/arminwolf.journalist\">hier<\/a> selbst nachlesen sollte. &#8222;F\u00fcrchtet Euch nicht&#8220;, lautet seine Empfehlung. Mir ist bei der Gelegenheit \u00fcberhaupt erst aufgefallen, wovor man eigentlich so alles Angst haben kann als Journalist. F\u00fcr mich fallen, ein Gl\u00fcck, Dinge wie &#8222;dieses Internet&#8220;, &#8222;diese Blogger&#8220; und &#8222;dieses Facebook&#8220; sowie &#8222;mein cholerischer Chef&#8220; oder &#8222;die Dame, die die Spesenabrechnung kontrolliert&#8220; weg. Doch eine Angst bleibt: Dass ich irgendwann von meinem Job nicht mehr leben kann. Im Zweifelsfall, obwohl ich 40 Stunden in der Woche und mehr arbeite.<\/p>\n<p>Woran das liegt, das Argument hat Wolf mir gleich mitgeliefert, als er eigentlich das Gegenteil erreichen wollte: Die Musiker der Wiener oder Berliner Philharmoniker f\u00fchlten sich doch auch nicht bedroht, wenn ein paar Kids Gitarre-Unterricht n\u00e4hmen und die Videos ihrer Band auf YouTube stellten, erz\u00e4hlte er. Warum h\u00e4tten also die Journalisten Angst, wenn im Internet jeder publizieren k\u00f6nne?<\/p>\n<p>Weil die Intendanten der Philharmoniker vielleicht nicht auf die Idee kommen, die Pauken und Trompeten spontan einer Gruppe Grundsch\u00fcler zu \u00fcberlassen. Deutsche Verleger aber schon. Nichts anderes passiert schlie\u00dflich, wenn im Lokalen pl\u00f6tzlich Leserreporter die Arbeit \u00fcbernehmen, denen Ruhm, Ehre und ein iPad mehr als Lohn genug sind. Satt der Symphonie gibt es Krach, aber das ist immer noch besser als Stille, scheint das Konzept dahinter zu sein. Nach der gleichen Logik versuchte mein Vater einst meine Lieblingsschuhe zu reparieren. Sagen wir so: Die Sache mit der Hei\u00dfklebepistole war keine gute Idee.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Da wir gerade von Deprimierendem und Vergangenem sprechen: Ich habe bei der Konferenz auch eine meiner ehemaligen Mit-Volont\u00e4rinnen getroffen. Wir haben gemacht, was man bei so einer Gelegenheit immer macht, n\u00e4mlich durchgesprochen, wer aus meinem und aus ihrem Jahrgang eigentlich jetzt wo gelandet ist. Bei \u00fcber 50 Prozent der Kollegen lautete die Antwort: In der PR. Mein Volo ist drei Jahre her.<\/p>\n<p>Ob sich dieser Beruf auf die Dauer eine derartige Abwanderung seines Nachwuchses leisten kann, d\u00fcrfen jetzt gerne die beantworten, die Drei-Monats-Vertr\u00e4ge f\u00fcr angemessen halten und die Ehre, gedruckt zu werden, f\u00fcr einen sehr nahrhaften Brotaufstrich, von dem es sich gut leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die gute Nachricht ist aber: Es sind nur die Umst\u00e4nde, die mies sind. Der Beruf bleibt gro\u00dfartig.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/e9ffedebb3c1468ba8ba3185f13cdd7c\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Wochenende war ich in Hamburg. Oder besser: In einer Stadt, von der ich glaube, dass sie Hamburg war, denn au\u00dfer dem NDR-Gel\u00e4nde und einem Gasthaus am Rande der 70er habe ich nicht viel gesehen. Was allerdings erst meine und dann die Schuld des auf Krawall geb\u00fcrsteten Wetters war. Doch ich schweife ab. 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