{"id":2234,"date":"2012-11-12T17:58:56","date_gmt":"2012-11-12T16:58:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2234"},"modified":"2012-11-12T18:01:40","modified_gmt":"2012-11-12T17:01:40","slug":"kaninchenzuchtervereine-sind-kein-ponyhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=2234","title":{"rendered":"Kaninchenz\u00fcchtervereine sind kein Ponyhof"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Wochenende war ich einmal da, wo ich mich selbst nicht vermutet h\u00e4tte: Auf einem <a href=\"http:\/\/lokales.netzwerkrecherche.de\/\" target=\"_blank\">Journalistenkongress\u00a0f\u00fcr Lokaljournalisten<\/a>. Man hatte mich eingeladen, dort \u00fcber die Zeitung zu sprechen, die wir liebevoll die <a href=\"http:\/\/prenzlauerberg-nachrichten.de\/\" target=\"_blank\">Prenzlette<\/a> nennen, und da ich ein h\u00f6flicher Mensch bin, bin ich hingefahren. Nicht zuletzt auch, weil ich nicht erwarten kann, dass Menschen \u00fcber das Prenzlauer-Berg-Klischee hinwegkommen, und selbst dann M\u00fcnchen meide, weil mein Bild von dieser Stadt auf einem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erfolg_(Roman)\" target=\"_blank\">Roman von 1930<\/a> beruht.<\/p>\n<p>Die Bewohner der Hochebene waren tats\u00e4chlich ziemlich freundlich zu mir, und auch dar\u00fcber hinaus habe ich einige Eindr\u00fccke mit nach Berlin gebracht, die ich hier gerne teile.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1:1, das ist der Schl\u00fcssel vielleicht nicht zum Erfolg, aber doch zur Erstellung einer handels\u00fcblichen Lokalzeitungsseite. Ein Redakteur ist demnach f\u00fcr das Bef\u00fcllen einer Zeitungsseite zust\u00e4ndig &#8211; Zukippen oder Vollknallen w\u00e4ren ebenso richtige Begriffe. Schlie\u00dflich ist es mit Recherche und damit Journalismus nicht mehr weit her, wenn eine Person jeden Tag sagen wir drei bis vier Artikel plus Meldungsspalte schreiben muss. Genau, selbst schreiben, denn das Budget f\u00fcr Freie ist meist mikroskopisch klein. Hilfe verspricht da nur der ein oder andere Vereinsbericht, der in S\u00fctterlin verfasst mittags noch reingereicht wird. Qualit\u00e4tsjournalimus sieht anders aus. Kostet aber Geld, das deutsche Verlage zumindest im Lokaljournalismus derzeit nicht ausgeben m\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Junge Journalisten haben keine Lust auf Lokalzeitungen. Was zum einen daran liegt, dass sie \u00fcberall hin wollen, nur nicht in die Provinz. Und zum anderen daran, dass sie dort gerne neben einem Gehalt weit unter Tarif die Verantwortung f\u00fcr eine nach dem Schl\u00fcssel 1:1 zu f\u00fcllende Seite erwartet statt einer Ausbildung. Lehrjahre seien eben keine Herrenjahre, meinte ein f\u00fcr die Volont\u00e4re bei privaten Radiosendern verantwortlicher Herr. Eine junge Volont\u00e4rin hielt dagegen, dass kein angehender Jurist oder Arzt sich Zust\u00e4nde wie im Journalismus bieten lie\u00dfe. &#8222;Schnell weg von hier&#8220; war der Titel dieses Panels. Ich pers\u00f6nlich glaube ja, dass unter den derzeitigen Bedingungen tats\u00e4chlich viele Nachwuchskr\u00e4fte sehr schnell die Flucht ergreifen. Und zwar Richtung PR.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Trotz der hohen Arbeitsbelastung k\u00f6nnen auch Lokaljournalisten noch investigative Recherchen stemmen. War die Botschaft, die etwa ein Redakteur des General-Anzeigers aus Bonn vermitteln wollte oder sollte, der von der Aufdeckung des Bauskandals um das World Conference Center Bonn berichtete. In einem Nebensatz lie\u00df er dann irgendwann fallen, wann er und seine Kollegen recherchiert h\u00e4tten: Nach Feierabend.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Danke der Nachfrage. Aber warum sollte ich meine Online-Zeitung unbedingt ausdrucken wollen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: dieses Internet. In dem Panel, das sich mit regionaler Online-Recherche befasste, kam die Frage auf, wer Twitter nutze. Ich bin schlecht im Sch\u00e4tzen, tue es trotzdem: Vielleicht zehn Prozent der Anwesenden hoben ihre H\u00e4nde. Also zehn Prozent der Lokaljournalisten, die sich noch aufraffen k\u00f6nnen, an einem Kongress teilzunehmen, der auch an einem arbeitsfreien Samstag stattfindet, und zudem dort eine Veranstaltung mit Online-Bezug aufsuchen. Man muss ja nicht gleich seine Seele an die sozialen Netzwerke verkaufen. Aber will man als Medienschaffender nicht wenigstens wissen, wie sie funktionieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Im gleichen Vortrag wurde erkl\u00e4rt, dass man Bilder aus der Wikipedia auch kommerziell nutzen darf. Sofort erkundigte sich ein anwesender Chefredakteur, welche Quelle dann angegeben werden m\u00fcsse. Und ich sah ihn schon am n\u00e4chsten Tag seine Fotografen entlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Nachdem ich den eigentlichen Anlass meiner Reise erf\u00fcllt und mit den Kollegen ein wenig \u00fcber alternative Lokaljournalismus-Projekte im Internet gesprochen hatte, kam eine Journalistensch\u00fclerin auf mich zu. Und bedankte sich, weil die das erste Mal \u00fcberhaupt eine Online-JournalistIN gesehen h\u00e4tte. &#8222;Ich dachte schon, man m\u00fcsse unfassbar Technik-affin sein und Html k\u00f6nnen f\u00fcr dieses Job&#8220;, meinte sie. Erst da fiel mir auf, dass ich als junge Journalistin f\u00fcr eine Online-Zeitung im Osten Deutschlands die vierfache Quote erf\u00fcllte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Bahnhof setzte sich in der S-Bahn ein gut Betrunkener mir gegen\u00fcber, wobei er mir gegens Bein trat. Sofort entschuldigte er sich \u00fcberschw\u00e4nglich. Ich war v\u00f6llig irritiert: Das hei\u00dft doch &#8222;Pass doch auf, Du Schlampe.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Wochenende war ich einmal da, wo ich mich selbst nicht vermutet h\u00e4tte: Auf einem Journalistenkongress\u00a0f\u00fcr Lokaljournalisten. Man hatte mich eingeladen, dort \u00fcber die Zeitung zu sprechen, die wir liebevoll die Prenzlette nennen, und da ich ein h\u00f6flicher Mensch bin, bin ich hingefahren. 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