{"id":2098,"date":"2012-08-17T16:41:01","date_gmt":"2012-08-17T14:41:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=2098"},"modified":"2012-08-17T16:46:11","modified_gmt":"2012-08-17T14:46:11","slug":"eine-frage-der-ehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=2098","title":{"rendered":"Eine Frage der Ehre"},"content":{"rendered":"<p>Ich schreibe ja viel zu selten in dieses Blog. Einer von vielen Gr\u00fcnden daf\u00fcr ist, dass ich mit Schreiben auch mein Geld verdiene, und bei der Auswahl zwischen Schreiben f\u00fcr Geld und Schreiben f\u00fcr Spa\u00df gewinnt meistens Ersteres. Irgendwie muss ich ja klarkommen mit den steigenden Kaffeepreisen.<\/p>\n<p>Einen nicht unerheblichen Teil meiner Eink\u00fcnfte bestreite ich damit, dass ich mich dem sogenannten hyperlokalen Journalismus hingebe, der im Falle von Berlin nicht die Berichterstattung \u00fcber einen alleinstehenden Baum, sondern \u00fcber einen Stadtteil mit knapp 150.000 Einwohnern mit sich bringt. Ganz recht, es ist <a href=\"http:\/\/www.prenzlauerberg-nachrichten.de\/\" target=\"_blank\">der mit den Kindern<\/a>. Ich telefoniere also, treffe Leute, stelle Anfragen, was man so alles unter Recherchieren versteht, schreibe das Herausgefundene auf, ver\u00f6ffentliche es auf einer Zeitungsseite im Internet und verdiene damit Geld.<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich wollen es nun auch die Kollegen von der Berliner Morgenpost handhaben &#8211; also das mit der Berichterstattung aus den Berliner Bezirken: Mit Recherchieren, Rausgehen, Schreiben und so, nur eben ohne Geld. Ich nehme an, aus irgend einer Perspektive wird auch das nach Qualit\u00e4tsoffensive aussehen. Vom Mars aus vielleicht.<\/p>\n<p>Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Viel mehr besch\u00e4ftigt mich das Symbolfoto, das sie zur Bebilderung ihrer <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/berlin-aktuell\/article108553849\/Werden-Sie-Leserreporter.html\" target=\"_blank\">Werbung um die sogenannten Leserreporter<\/a> ausgew\u00e4hlt haben. Ich muss Sie zur Veranschaulichung der Sache kurz r\u00fcber bem\u00fchen, immer dem Link nach. Die Verlage sind ja derzeit etwas pingelig, wenn es um das Einbinden ihrer Inhalte auf externen Websites geht.<\/p>\n<p>So stellt man sich im Springer-Verlag also die kleine Armee an Freiwilligen vor, die ehrenamtlich bzw. f\u00fcr die Ehre, auf morgenpost.de ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen, kostenlos Artikel schreibt: Jung, weiblich, gutaussehend, und mit der F\u00e4higkeit gesegnet,\u00a0gleichzeitig ein iPad halten und in einer Windmaschine stehen zu k\u00f6nnen. Multitasking ist f\u00fcr <span style=\"text-decoration: line-through;\">Journalisten <\/span>Leserreporter schlie\u00dflich schon mal eine gute Voraussetzung.<\/p>\n<p>Trotzdem stellen sich mir da einige Fragen: Kann die junge Dame die unentgeldliche Arbeit als Praktikum verbuchen? Oder hat sie einfach reiche Eltern und muss gar kein Geld verdienen? Wie hoch ist da die Wahrscheinlichkeit, dass sie in diesem Fall nicht schon l\u00e4ngst ein iPad hat, mit dem die Morgenpost au\u00dfer mit der Ehre ihre Reporter zu k\u00f6dern versucht? Und ist das Tragen von Strickjacken nicht per Gesetz nur SZ-Redakteuren vorbehalten?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kress.de\/digital\/detail\/beitrag\/117565-berliner-morgenpost-staerkt-lokales-online-mit-leserreportern-und-berliner-woche-in-den-kiez.html\" target=\"_blank\">Laut dem Chefredakteur der Morgenpost<\/a> liegen die Bewerberzahlen f\u00fcr diese Posten schon im dreistelligen Bereich. Das sind immerhin fast 0,003 Prozent aller Berliner! Was auch ungef\u00e4hr der Anzahl der wirklich Reichen dieser Stadt entsprechend d\u00fcrfte. Demnach freue ich mich schon sehr, demn\u00e4chst auf morgenpost.de zeitnah informiert zu werden, wenn in Dahlem gerade der Kaviar knapp wird oder der Kudamm in die Pelzsaison startet. So sind die jungen Dinger immerhin weg von der Stra\u00dfe&#8230; und rauf auf den Boulevard. Oder den Digital Highway. Oder so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schreibe ja viel zu selten in dieses Blog. Einer von vielen Gr\u00fcnden daf\u00fcr ist, dass ich mit Schreiben auch mein Geld verdiene, und bei der Auswahl zwischen Schreiben f\u00fcr Geld und Schreiben f\u00fcr Spa\u00df gewinnt meistens Ersteres. Irgendwie muss ich ja klarkommen mit den steigenden Kaffeepreisen. 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