{"id":175,"date":"2010-05-07T10:20:45","date_gmt":"2010-05-07T08:20:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=175"},"modified":"2014-01-02T12:21:39","modified_gmt":"2014-01-02T11:21:39","slug":"test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=175","title":{"rendered":"D\u00f6ner-Spie\u00dfer unter sich"},"content":{"rendered":"<p><em>(taz vom 29. M\u00e4rz 2010)<\/em><\/p>\n<p>Zumindest der Duft stimmt: Im Ernst-Reuter-Haus an der Stra\u00dfe des 17. Juni riecht es derbe nach Imbiss. Besser: nach D\u00f6ner pur. Das ist ein bisschen erstaunlich, weil im ganzen gro\u00dfen Haus nur ein einziger Spie\u00df gegrillt wird. Er ist quasi das Lockmittel der ersten D\u00f6ner-Messe D\u00f6ga am Samstag in Berlin. Sie soll sich als Branchentreffpunkt f\u00fcr die Unternehmen der D\u00f6nerindustrie etablieren. Und von denen gibt es ganz sch\u00f6n viele.<\/p>\n<p>In der Halle im ersten Stock schieben sich \u00fcberwiegend M\u00e4nner in schwarzen Anz\u00fcgen mit akkurat nach hinten gegelten Haaren durch die G\u00e4nge. Ein Beamer projiziert D\u00f6nerfotos an die Wand. Um den Stand von Yefes Sahin dr\u00e4ngt sich eine kleine Menschentraube, schlie\u00dflich stellt er mit seinem D\u00f6nerroboter eine Weltneuheit vor. &#8222;Er wurde in Izmir in der T\u00fcrkei entwickelt und kann von allein D\u00f6ner schneiden&#8220;, erkl\u00e4rt Sahin. Zwei Jahre habe die Entwicklungsphase gedauert, er selbst habe mit an der Technik gefeilt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Eigentlich studiere ich Multimediatechnologie in Salzburg, aber mein Onkel ist f\u00fcr den Vertrieb des D\u00f6nerroboters verantwortlich&#8220;, sagt er. Da sei er selbstverst\u00e4ndlich eingebunden worden. Nun sitzt er hinter einem kleinen Tisch und spricht \u00fcber den Roboter, der automatisch von oben nach unten den D\u00f6nerspie\u00df entlangf\u00e4hrt und dabei d\u00fcnne Lagen Fleisch abschneidet. &#8222;Um die 70 Grad hei\u00df wird so ein D\u00f6nerspie\u00df. Da ist es gut, wenn der Roboter einem das m\u00fchsame Abs\u00e4beln des Fleisches abnimmt.&#8220; Ein Luxus, der fast 10.000 Euro kostet &#8211; daf\u00fcr muss der durchschnittliche Berliner Imbissbetreiber vorher ganz sch\u00f6n lange selbst schaben. Laut Sahin haben sich in Deutschland dennoch bereits 50 Imbisse den Roboter geleistet. Im Foyer kann man ihm bei der Arbeit zusehen. Er ist es, dem die D\u00f6ga ihren stilechten Geruch verdankt.<\/p>\n<p>Coskun Tuna ist Organisator der eint\u00e4gigen Messe, die vom Verein t\u00fcrkischer D\u00f6nerhersteller in Europa, kurz Atdid, ausgerichtet wird. &#8222;25 Aussteller vor allem aus dem Zuliefererbereich sind heute hier. Viermal so viele Anfragen nach St\u00e4nden hatten wir&#8220;, sagt er. Man habe jedoch erstmal klein anfangen und das Interesse innerhalb der Branche austesten wollen. Die Resonanz sei aber so gut, dass man bereits beschlossen habe, die D\u00f6ga im n\u00e4chsten Jahr gr\u00f6\u00dfer zu machen.<\/p>\n<p>Thomas Echelmeyer k\u00fcmmert sich um die Hygiene bei der D\u00f6nerherstellung. Er arbeitet f\u00fcr eine Firma, die Berufsbekleidung vermietet, sie also den Unternehmen zur Verf\u00fcgung stellt und sich um die Reinigung k\u00fcmmert. &#8222;Gerade in der Lebensmittelproduktion ist es wichtig, dass von der Kleidung keine Gefahr ausgeht&#8220;, sagt Echelmeyer. Daher bestehen die Arbeitskittel aus einem speziellen Material und haben au\u00dfen keine Taschen. &#8222;Die D\u00f6nerindustrie ist f\u00fcr uns ein riesiger Markt&#8220;, betont Echelmeyer &#8211; schlie\u00dflich br\u00e4uchten die Besch\u00e4ftigten in der Fleischproduktion jeden Tag einen frischen Kittel. Seine Firma habe extra eine t\u00fcrkische Mitarbeiterin mit an den Stand gestellt, zur besseren Verst\u00e4ndigung.<\/p>\n<p>Ein Konzept, das offensichtlich die meisten anwesenden Firmen befolgt haben. Alle k\u00f6nnen Deutsch &#8211; niemand spricht es. Die D\u00f6ga ist in t\u00fcrkischer Hand, wie das D\u00f6nergesch\u00e4ft insgesamt. &#8222;Es handelt sich dabei um einen geschlossenen Zirkel, das hat sich so entwickelt, jedoch nicht mit Absicht&#8220;, sagt Messeorganisator Tuna. &#8222;Den D\u00f6ner kauft man halt bei T\u00fcrken.&#8220; Eine Currywurst br\u00e4uchte er nicht anzubieten.&#8220;<\/p>\n<p>Da wundert es nicht, dass sich kaum externe Besucher auf die D\u00f6ga verirrt haben. Einige Medienvertreter seien da gewesen, das niederl\u00e4ndische und das tschechische Fernsehen. Und ein paar Besucher des benachbarten Flohmarktes, die aus Neugierde vorbeigekommen seien, sagt Tuna. Zu sehen sind jedoch nur die t\u00fcrkischen M\u00e4nner in schwarzen Anz\u00fcgen, wie Attila Sir. Der Berliner D\u00f6nerproduzent findet die D\u00f6ga &#8222;gut.&#8220; Gekommen ist er &#8222;wegen Kontakten&#8220;. Wiederkommen wird er &#8222;vielleicht.&#8220; Mehr sagen m\u00f6chte er nicht.<\/p>\n<p>Am Stand der Berliner Stadtreinigung stehen Alexander Znidar und Murat Topal. Sie wirken etwas verloren zwischen den anderen Anbietern mit ihren D\u00f6nerbr\u00e4tern, Gew\u00fcrzmischungen und Fleischproben. &#8222;Bei der D\u00f6nerproduktion entstehen Abf\u00e4lle, und wir erkl\u00e4ren, wie man durch M\u00fclltrennung Geld sparen kann&#8220;, sagt Znidar. Die Kunden seien in diesen Dingen noch nicht so gut informiert; die Kundengespr\u00e4che auf der D\u00f6ga w\u00fcrden sich jedoch nicht sonderlich von denen auf anderen Messen unterscheiden. &#8222;Speiseabf\u00e4lle m\u00fcssen zwar speziell entsorgt werden, aber das gilt ja f\u00fcr alle Lebensmittelproduzenten.&#8220;<\/p>\n<p>Vor dem Ernst-Reuter-Haus herrscht der \u00fcbliche Trubel des Flohmarktes. Hier riecht es nach Fr\u00fchling statt nach D\u00f6ner. Erst jetzt f\u00e4llt der kleine Transporter auf, der seitlich des Eingangs parkt. Es ist ein Mercedes Sprinter, &#8222;extra mit D\u00f6nerkoffer&#8220;, erkl\u00e4rt B\u00fclent Dogan von der Mercedes-Niederlassung Berlin. Der Wagen sei speziell daf\u00fcr gebaut worden, D\u00f6nerspie\u00dfe vom Produzenten zum Gastronomen zu bringen. &#8222;Den D\u00f6nerkoffer kann man bis auf minus 20 Grad herunterk\u00fchlen&#8220;, sagt Dogan. Damit k\u00f6nne man nat\u00fcrlich auch andere Lebensmittel transportieren. Doch als Mitglied im Verein t\u00fcrkischer D\u00f6nerhersteller bek\u00e4me man gute Konditionen beim Kauf. Der D\u00f6ner ist eben nicht nur ein Essen, sondern ein eigener Wirtschaftszweig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle k\u00f6nnen Deutsch &#8211; niemand spricht es: Die erste D\u00f6nermesse ist fest in t\u00fcrkischer Hand. Star des Tages ist ein D\u00f6nerroboter, der ganz ohne Sprachkenntnisse auskommt. (taz vom 29. 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