{"id":1746,"date":"2011-06-13T13:55:19","date_gmt":"2011-06-13T11:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=1746"},"modified":"2011-06-13T16:10:24","modified_gmt":"2011-06-13T14:10:24","slug":"geht-ne-frau-zur-bank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=1746","title":{"rendered":"Geht &#8217;ne Frau zur Bank"},"content":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst kam mir aus Gr\u00fcnden ein Magazin in die H\u00e4nde, welches sich mit dem sch\u00f6nen Namen &#8222;Treffpunkt&#8220; schm\u00fcckt und sich an den ausgew\u00e4hlten Teil der Menschheit richtet, der Teilhaber bei der Berliner Volksbank ist. Aus Zeiten, in denen mir diverse Stellenb\u00f6rsen tagt\u00e4glich beibrachten, dass Festanstellungen bei handels\u00fcblichen Presseorganen nicht in selbigen inseriert werden, habe ich mir ein gewisses Interesse f\u00fcr diese Art der Publikationen erhalten, sodass ich nicht umhin kam, einmal einen Blick in den Treffpunkt zu werfen. Wof\u00fcr ich sogleich belohnt wurde durch ein so hervorragendes Editorial, das g\u00e4nzlich vorzuenthalten ich mich einfach nicht \u00fcberwinden kann:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n<p>vor Ihnen liegt ein treffpunkt, der wieder vollgepackt ist mit vielen guten Gr\u00fcnden&#8230;<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>&#8230;es gibt viele gute Grunde, sich mit Geld zu befassen und es m\u00f6glichst zu mehren. Besonders f\u00fcr Frauen, deren Leben vielfach sehr bewegt verl\u00e4uft &#8211; vom Heiraten und Kinderkriegen und der Jobpause bis zur Scheidung oder dem Tod des Partners. (&#8230;) &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Selten wurde das Leben einer Frau so subtil und zugleich komprimiert zusammengefasst: Heirat, Heimchen, Tod des Partners &#8211; man mag sich gar nicht vorstellen, wie unendlich bewegt dann erst das Leben von M\u00e4nnern sein mag: Heirat, Kinder zeugen, Alleinverdiener, Sekret\u00e4rin verf\u00fchrt, Scheidung, zweite Heirat, Alimente, von Sekret\u00e4rin gelangweilt, Tod. Die guten Gr\u00fcnde, sich mit Geld zu befassen und es m\u00f6glichst zu mehren, dr\u00e4ngend sich da geradezu auf.<\/p>\n<p>Nach dieser Anmoderation nicht nach dem dazu passenden Artikel im Heft zu fahnden, war nat\u00fcrlich v\u00f6llig unm\u00f6glich. Und was soll ich sagen: Ich wurde nicht entt\u00e4uscht. Oder w\u00fcrden Sie etwa einen Artikel nicht lesen wollen, der einen mit der Unterzeile &#8222;Altersarmut ist immer noch weiblich! Lesen Sie hier, warum es so wichtig ist, rechtzeitig ein finanzielles Polster zu sichern und wie das m\u00f6glich ist&#8220; anlockt? Auch wenn man nat\u00fcrlich &#8222;&#8230;und warum M\u00e4nner im Alter v\u00f6llig anderes Geld und daher g\u00e4nzlich andere Strategien brauchen als Frauen&#8220; erg\u00e4nzen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ohne lange dar\u00fcber zu diskutieren, ob es besonders sch\u00f6n ist, einen Text zu beginnen mit &#8222;Die Botschaft der Frauen in Sachen Geld ist klar, und sie besteht aus nur einem Satz: WIR WOLLEN KLARTEXT!&#8220; (im Gegensatz zu M\u00e4nnern, deren einzige Botschaft es ist, immer Bier zu wollen). Und ihn fortzusetzen mit zwei ellenlangen S\u00e4tzen in Bankberatersprech, die wenig sagen, aber die Worte &#8222;unkompliziert&#8220;, &#8222;transparent&#8220;, &#8222;individuell&#8220;, &#8222;unabh\u00e4ngig&#8220; &#8222;Verm\u00f6gensaufbau&#8220; und &#8222;Altersvorsorge&#8220; in die richtige Reihenfolge bringen. M\u00f6chte ich gleich \u00fcbergehen zu den sch\u00f6nen S\u00e4tzen, die vermutlich selbst meine Oma als Zumutung empfinden w\u00fcrde. Etwa: &#8222;Frauen verf\u00fcgen \u00fcber ihr eigenes Einkommen, im Gegensatz zu ihren M\u00fcttern haben sie heute andere Erwartungen an die Finanzbrache (sic!)&#8220;. Oder &#8222;Die Ehe ist nicht mehr als Versorgungseinrichtung zu betrachten.&#8220; Oder, im Anschluss an den Bericht einer Bankmitarbeiterin, dass M\u00e4nner sich nicht so gerne von ihr beraten lie\u00dfen: &#8222;M\u00f6gen M\u00e4nner in der Finanzberatung auch immer noch M\u00e4nner bevorzugen &#8211; Frauen lassen sich gerne von Frauen informieren. Bankerinnen berichten \u00fcbereinstimmend: Sind M\u00e4nner anwesend, halten sich Frauen mit ihren Fragen und \u00c4u\u00dferungen zur\u00fcck. Sind Frauen unter sich, fragen sie sachlich, ausgesprochen kritisch und haken nach, bis ihr Wissensdurst ersch\u00f6pft ist.&#8220;<\/p>\n<p>Ist das nicht unglaublich? Frauen k\u00f6nnen sachlich und kritisch nachfragen? Vielleicht sollte man noch mal dar\u00fcber nachdenken, ob man sie nicht doch w\u00e4hlen lassen sollte. Denn ganz recht, dieses Heft der Berliner Volksbank hat zwar das Erscheinungsdatum Juni 2011, ist aber offensichtlich eine Neuauflage aus dem Jahr 1874, wof\u00fcr \u00fcbrigens auch spricht, dass man an s\u00e4mtlichen Gewinnspielen mittels einer mit Stichwort zu versehenden Postkarte teilnehmen soll. Ja, ich glaube durchaus, dass der Bankensektor und die Emanzipation noch nicht ganz zueinander gefunden haben. Aber nein, Frauen deshalb wie minderbemittelte Au\u00dferirdische zu behandeln, die das erste Mal ihre Nahrung nicht durch Jagen und Tauschen, sondern als Gegenwert gegen etwas namens Geld bekommen, ist daher lange noch nicht richtig.<\/p>\n<p>Der Artikel endet dann mit dem Hinweis auf viele sch\u00f6ne Produkte der Altersvorsorge, die die Volksbank offensichtlich v\u00f6llig exklusiv f\u00fcr Dumme, \u00e4h, Frauen im Angebot hat. Wie die Riester-Rente. Privat-Renten. Renten-Fonds. Oder eine Berufsunf\u00e4hrigkeits-Versicherung.<\/p>\n<p>M\u00e4nner brauchen sowas alles nicht. F\u00fcr die ist die Rente immer noch sicher. Au\u00dferdem sterben sie ja auch ausnahmslos fr\u00fcher. &#8222;Tod des Partners&#8220;, wir erinnern uns, ist schlie\u00dflich exklusiv im bewegten Leben einer Frau vorgesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst kam mir aus Gr\u00fcnden ein Magazin in die H\u00e4nde, welches sich mit dem sch\u00f6nen Namen &#8222;Treffpunkt&#8220; schm\u00fcckt und sich an den ausgew\u00e4hlten Teil der Menschheit richtet, der Teilhaber bei der Berliner Volksbank ist. 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