{"id":1689,"date":"2011-05-20T12:55:08","date_gmt":"2011-05-20T10:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=1689"},"modified":"2011-05-20T16:19:21","modified_gmt":"2011-05-20T14:19:21","slug":"im-lippenstiftmuseum-des-herrn-rene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=1689","title":{"rendered":"Im Lippenstiftmuseum des Herrn Ren\u00e9"},"content":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst war ich, und man darf an dieser Stelle ruhig ein wenig neidisch sein, zum Arbeiten in einem Lippenstiftmuseum. Oder besser: Dem Lippenstiftmuseum, denn wenn es nach dem Inhaber geht, gibt es nur das eine auf der gro\u00dfen weiten Welt.<\/p>\n<p>Betrieben wird es von Ren\u00e9 Koch, der mir bislang nur als Minutenf\u00fcller in Sendungen, die zu sehen man niemals zugeben sollte, sowie als Kosmetikanpreiser bei HSE aufgefallen war. Wobei man Letzteres nat\u00fcrlich auch zu Ersterem dazuz\u00e4hlen kann. Oder sollte.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, ich traf den Herrn also zwecks Interviews und Besichtigung seines Museums, welches sich praktischer Weise in seiner Privatwohnung befindet. Praktisch f\u00fcr mich, da ich so erfuhr, dass Herr Koch in einer in Gold und Wei\u00df gehaltenen Wilmersdorfer Altbauwohnung voller Lippenstiftvitrinen, aber auch mit einer riesigen B\u00fccherwand residiert. Praktisch f\u00fcr ihn, da er zu Hemd und Weste einfach mal seine schwarze Jogginghose anbehalten konnte. Die Voraussetzungen f\u00fcr einen entspannten Nachmittag waren damit gegeben.<\/p>\n<p>Und was soll ich sagen &#8211; ich f\u00fcrchte, ich muss meine Meinung \u00fcber alternde Visagisten mit einer Vorliebe f\u00fcr selbstt\u00f6nende Brillen \u00fcberdenken. Oder kann man jemanden nicht m\u00f6gen, der \u00fcber das Lippenrot im Mittelalter philosophiert und dazu meint: &#8222;Lippenstift wurde damals nur von emanzipierten, berufst\u00e4tigen Frauen getragen. Hexen etwa. Ich meine: So &#8217;ne Hexe, das war doch keine Hausfrau!&#8220; Auch wenn sie, wie etwa in der Version von H\u00e4nsel und Gretel, durchaus ein Haus besitzen konnte.<\/p>\n<p>Es folgten genaue Beschreibungen des Wandels des Lippenstiftes und der Rolle der Frau seit ungef\u00e4hr 1455, die ich in ihrer Ausf\u00fchrlichkeit nicht wiedergeben m\u00f6chte. Auch wenn es nie schaden kann, zu wissen, dass Marlene Dietrich einst des Champs-Elys\u00e9es verwiesen wurde, weil sie Hosen trug. Hilde Knef sich morgens fr\u00fch als erstes an ihren Visagisten wandte mit der Bitte, sie anzumalen. &#8222;Damit ich wei\u00df, wo vorne ist.&#8220; Und die exquisiten Lippenstift-Puder-Kombinationen in den 1950ern als Geschenk den &#8222;Liebchen&#8220;, wie Herr Koch sie zu nennen beliebt, vorbehalten waren. &#8222;F\u00fcr die Ehefrau gab es derweil einen B\u00fcgelautomat.&#8220; Aber ich will einen Besuch im Museum ja hier nicht vorwegnehmen. Sondern vielmehr empfehlen. Ge\u00f6ffnet ist es jedoch nur am Wochenende und nach Anmeldung, die Warteliste geht derzeit bis September. Doch es lohnt sich, und im Preis sind Kaffee, Kekse und ein rosaroter Prosecco inklusive.<\/p>\n<p>Womit ich mein Wildern in den Gefilden der Beauty-Blogger beenden m\u00f6chte. Mit den zwei sch\u00f6nen Fun Facts, dass Herr Koch sich, vermutlich in <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-18423425.html\" target=\"_blank\">Reminiszenz an Rudolph Moshammer<\/a>, selbst als &#8222;Herr Ren\u00e9&#8220; bezeichnet. Und unser Interview beendete mit dem Satz: &#8222;Mein Golfplatz ist hier.&#8220; Womit er vermutlich meinte, dass sein Geld f\u00fcr ein Hobby in sein Museum fl\u00f6sse, was aber angesichts der abnormen Dimensionen dieser Wilmersdorfer Altbauwohnungen auch durchaus wortw\u00f6rtlich gemeint gewesen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst war ich, und man darf an dieser Stelle ruhig ein wenig neidisch sein, zum Arbeiten in einem Lippenstiftmuseum. Oder besser: Dem Lippenstiftmuseum, denn wenn es nach dem Inhaber geht, gibt es nur das eine auf der gro\u00dfen weiten Welt. 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