{"id":1558,"date":"2011-02-25T19:02:47","date_gmt":"2011-02-25T18:02:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=1558"},"modified":"2011-02-25T19:02:47","modified_gmt":"2011-02-25T18:02:47","slug":"vom-suchen-und-finden-von-wohnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=1558","title":{"rendered":"Vom Suchen und Finden von &#8211; Wohnungen"},"content":{"rendered":"<p>Das Sch\u00f6ne am Wohnungssuchen ist doch, dass man es darin in so kurzer Zeit zum absoluten Expertentum bringen kann. Drei Wochen reichen v\u00f6llig aus, und schon kennt man sich bestens aus mit g\u00fcnstigen, akzeptablen und v\u00f6llig unversch\u00e4mten Netto-Kalt-Quadratmeterpreisen, der in einer K\u00fcche ben\u00f6tigten Anzahl von Steckdosen und der richtigen Antwort auf die Frage, wie oft eigentlich die M\u00fcllabfuhr kommen sollte, wenn der Hausbesitzer im Hof nur eine Tonne f\u00fcr 30 Haushalte aufgestellt hat. Von der F\u00e4higkeit, auf Anhieb sagen zu k\u00f6nnen, in welche Himmelsrichtung der Balkon wohl weist und seit wie vielen Jahrtausenden man schon ohne Mietschulden durchs Leben geht, ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Fragen Sie das alles mal jemanden, der gerade einfach nur wohnt: Auf die Frage nach dem Quadratmeterpreis h\u00f6rt man meist, die Kaltmiete m\u00fcsse man erstmal nachsehen und im Kopfrechnen sei man noch nie gut gewesen. Geheizt w\u00fcrde \u00fcber die lustige wei\u00dfen Dinger an der Wand, die Hausverwaltung sei wohl akzeptabel, zumindest habe man von denen seit der Vertragsunterschrift vor neun Jahren nichts mehr geh\u00f6rt, und die H\u00e4lfte der Steckdosen funktioniere halt nicht, das sei schon immer so gewesen.<\/p>\n<p>Das Schreckliche am Wohnungssuchen ist, dass man selbst auch schon mal gewohnt hat. Und nun wei\u00dft, wie man es beim n\u00e4chsten Mal auf keinen Fall haben m\u00f6chte. Ein Schuster im Erdgeschoss etwa ist mittlerweile f\u00fcr mich ein absolutes Ausschlusskriterium. Au\u00dfer, er hat ein gro\u00dfes Schild im Fenster h\u00e4ngen: &#8222;Ich schleife niemals Abs\u00e4tze, und schon gar nicht morgens in der Zeit zwischen sechs und sieben.&#8220;<\/p>\n<p>Auch eine Nachbarin, die, je nach Jahreszeit, ihren Wohnungseingang mit kleinen Terracotta-Hasen, -Blumenk\u00f6rben, -Igeln und -Weihnachtsm\u00e4nnern dekoriert, macht mich misstrauisch. Denn wer Zeit daf\u00fcr hat, so etwas nicht nur zu kaufen, sondern auch aufzustellen und regelm\u00e4\u00dfig und vor allem p\u00fcnktlich auszuwechseln, t\u00e4tigt vermutlich t\u00e4glich Kontrollanrufe, ob Du das warst, der die Papiertonne mit Pappe \u00fcberladen hat. Und klingelt, wenn man um 14:55 Uhr und damit vor Ende der Mittagsruhe zum Staubsauger greift.<\/p>\n<p>Weiterhin brauche ich nicht noch einmal an einer gro\u00dfen Stra\u00dfe mit Tram vor der Haust\u00fcr zu leben, deren Gleise regelm\u00e4\u00dfigen Schleifbedarf aufweisen. Fenster in allen Zimmern halte ich f\u00fcr angebracht. Und wenn bei den vorangegangenen Renovierungsarbeiten nicht aus Versehen der Telefonanschluss mit eingemauert wurde, f\u00e4nde ich das auch eine feine Sache.<\/p>\n<p>Kurz: Eine bezahlbare Wohnung mit Fenstern, T\u00fcren und innenliegendem Bad w\u00e4re fein. Manchmal gibt es so etwas sogar in Berlin zu finden, zu erkennen an dem Wort &#8222;luxusmodernisiert&#8220; in der Anzeige. Das ich \u00fcbrigens gerne bei Zeiten mal patentieren lie\u00dfe, denn w\u00e4hrend man zumindest in meiner Welt damit Marmorb\u00e4der, Tropenholzt\u00fcren und gl\u00e4serne Aufz\u00fcge assoziiert, bedeutet das in Berlin lediglich, dass die Wohnung Waschgelegenheit, T\u00fcren und eine Zugangsm\u00f6glichkeit zur Au\u00dfenwelt besitzt. Die Preise daf\u00fcr orientieren sich dann aber doch eher an meiner eigenen Luxus-Definition, was mich innerlich auf eine Zukunft in Marzahn einstellen l\u00e4sst. Ist schlie\u00dflich alte Tradition, dort die Menschen hin zu schicken, die keine Kohleheizung und gerne flie\u00dfend Wasser ist der Wohnung h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Sch\u00f6ne am Wohnungssuchen ist doch, dass man es darin in so kurzer Zeit zum absoluten Expertentum bringen kann. 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