{"id":122,"date":"2010-04-30T12:32:03","date_gmt":"2010-04-30T10:32:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juliane-wiedemeier.de\/?p=122"},"modified":"2010-04-30T12:35:34","modified_gmt":"2010-04-30T10:35:34","slug":"a-night-at-the-opera-krasse-version","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juliane-schader.de\/?p=122","title":{"rendered":"A Night at the Opera, krasse Version"},"content":{"rendered":"<p>Zu Beginn meines Volontariats brachte man mir bei: Versuchen Sie erst gar nicht, so zu arbeiten wie die Journalisten, die sie verehren; sie k\u00f6nnen es eh nicht. &#8222;Als Volont\u00e4r hat man keinen Stil&#8220; war der Satz, den ich mir merkte. Und f\u00fcr mich mit &#8222;zu haben&#8220; erg\u00e4nzte.<\/p>\n<p>Das Volo ist um, ich kann machen, was ich will, und dachte mir daher, einmal die Methode zu erproben, die Benjamin von Stuckrad-Barre sich offensichtlich als Erfolgsgeheimnis patentieren lie\u00df: Nicht nur selbst erleben, sondern dazu Leute mitnehmen und aufschreiben, was die so zum Thema zu sagen haben. Medienanwalt Christian Schertz zu einer <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wams_print\/article2231198\/Ein_Laecheln_ist_keine_Einverstaendniserklaerung.html\" target=\"_blank\">Ausstellung mit Paparazzi-Fotos<\/a>. Dieter Hildebrand zum <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/fernsehen\/article3427359\/Mit-Dieter-Hildebrandt-auf-dem-Sofa.html\" target=\"_self\">Satire-Gipfel<\/a>. Hans Magnus Enzensberger zum <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wams_print\/article2502684\/Dichtung-und-Wahlkampf.html\" target=\"_blank\">bayrischen Wahlkampf<\/a>.<\/p>\n<p>Ich w\u00e4hlte ein kulturelles Ereignis und beschloss einen Opernbesuch mit der neunten Klasse einer Hauptschule aus dem Sauerland. Praktisch, dass mein Lehrer-Vater gerade auf Klassenfahrt in Berlin war und &#8222;Die Fledermaus&#8220; in der Komischen Oper auf dem Programm stand.<\/p>\n<p>Bisher habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Sch\u00fcler bei ihrem Berliner Kulturprogramm zu begleiten. Einst besuchte ich mit der zehnten Klassen meiner Mutter &#8222;Ein Sommernachtstraum&#8220; in der Schaub\u00fchne, was ein gro\u00dfer Erfolg war, da bereits nach f\u00fcnf Minuten alle beteiligten Schauspieler nackt auf der B\u00fchne standen. Was die Mutti peinlich ber\u00fchrte, jedoch von mir f\u00fcr die einzige M\u00f6glichkeit gehalten wird, daf\u00fcr zu sorgen, dass Sch\u00fcler das Theater in guter Erinnerung behalten und vielleicht sogar selbstst\u00e4ndig erneut aufsuchen.<\/p>\n<p>Nun also Operette in der Oper, und man muss sagen, die Kids hatten wirklich alles aufgeboten, was Orsay in der Rubrik Abendgarderobe zu bieten hat, um sich angemessen einzuf\u00fchren. Absch\u00e4tzige Blicke auf den kleinen Punker, der in Karohosen und Nieteng\u00fcrtel ebenfalls erschienen war, inklusive.<\/p>\n<p>V\u00f6llig unbeeindruckt zeigten sie sich von Gold und Prunk des Bauwerks, was jedoch auch daran liegen k\u00f6nnte, dass es schon vor Beginn der Vorstellung etwas viel Spannenderen zu sehen gab: die Tochter des Lehrers. Zum Gl\u00fcck bin ich als erfahrene China-Reisende das Begafft-Werden gew\u00f6hnt, und immerhin haben sie nicht versucht, meine Haare anzufassen.<\/p>\n<p>Kaum wurde es dunkel im gro\u00dfen Saal, begann das Gewisper. Abgel\u00f6st von ersten Kicheranf\u00e4llen, als sich herausstellte, dass diese Menschen auf der B\u00fchne nicht nur in einer <a href=\"http:\/\/dev1.heimat.de\/player\/de_DE\/33191\/kob?KeepThis=true&amp;TB2_iframe=true\" target=\"_blank\">lustigen Welt aus Holzpanele <\/a>leben, sondern auch unglaublich hoch singen. &#8222;Was sagt die Frau?&#8220; war wohl der Satz des Abends.<\/p>\n<p>Mit der Zeit arrangierten sich die Kids mit der ungewohnten Umgebung, legten die K\u00f6pfe aus die Br\u00fcstung und setzten den Gesichtsausdruck auf, den man als Sch\u00fcler zu nutzen gewohnt ist, um Aufmerksamkeit zumindest vorzut\u00e4uschen. Wippende F\u00fc\u00dfe belegten, dass es manchen wohl tats\u00e4chlich gefiel. Ist ja auch ne lustige Sache, wenn Menschen in Unterw\u00e4sche auf Sofas herumh\u00fcpfen, Liebhaber in Schr\u00e4nken versteckt werden und Schweinek\u00f6pfe aus Plastik als Abendbrot durchgehen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Irritation dann allerdings, als der Vorgang fiel. Zur Pause. &#8222;Warum klatschen die Leute nicht?&#8220; &#8211; &#8222;Gibt es da noch ne Fortsetzung?&#8220; &#8211; &#8222;Was hat die Frau gesagt?&#8220; Ich glaube, es w\u00e4re f\u00fcr alle Beteiligten v\u00f6llig in Ordnung gewesen, wenn es das wirklich gewesen w\u00e4re. Fast zwei Stunden waren immerhin schon rum. Satt dessen ging es in eine zweite Runde, die ein Teil der Gruppe dann jedoch f\u00fcr ein Nickerchen nutzen musste. In der Jugendherberge gibt es aber auch immer schon um halb acht Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Am Ende des Abends hatte ich gelernt, dass es f\u00fcr viele der Kids vermutlich ein einmaliges Erlebnis bleiben wird. Aber ein unvergessliches. Schlie\u00dflich war das der Abend, an dem alle aufmerksam in der Oper sa\u00dfen und ihr Lehrer als einziger vergessen hatte, sein Handy auszuschalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn meines Volontariats brachte man mir bei: Versuchen Sie erst gar nicht, so zu arbeiten wie die Journalisten, die sie verehren; sie k\u00f6nnen es eh nicht. &#8222;Als Volont\u00e4r hat man keinen Stil&#8220; war der Satz, den ich mir merkte. Und f\u00fcr mich mit &#8222;zu haben&#8220; erg\u00e4nzte. 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